Berlin : Diebe mit Dienstmarke

Polizisten durchsuchten Wohnungen – und klauten dabei für den Eigenbedarf

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Drei Berliner Polizeibeamte haben offenbar ihre Dienstmarken missbraucht, um Straftaten zu begehen. Damit wollten sie ihren Kokainverbrauch finanzieren. Zum Verhängnis wurde ihnen ihr amateurhaftes Vorgehen – sie flogen schon nach der ersten Tat auf. Am Dienstag musste sie sich von ihren Kollegen festnehmen lassen; ein Richter erließ Haftbefehle gegen einen 41 Jahre alten Kriminalkommissar vom Landeskriminalamt, einen seit längerem krank geschriebenen 32jährigen Polizeihauptmeister vom Abschnitt 24 und einen 29 Jahre alten Polizeimeister. Dieser ist wegen einer psychischen Erkrankung frühpensioniert und war zuletzt bei der Bereitschaftspolizei.

Die Ermittlungen gegen das Trio begannen Anfang November nach dem Tipp eines Polizeispitzels. Danach planten die drei, als Polizisten Wohnungsdurchsuchungen vorzutäuschen und dabei Geld, Wertsachen und Mobiltelefone zu stehen. Als Opfer wählten sie Personen aus, denen selbst Straftaten zur Last gelegt wurden. Diese würden daher vermutlich keine Anzeige erstatten, rechnete sich das Trio aus. Ihre Kenntnisse der kriminellen Szene kamen ihnen dabei zugute. Aber gleich die erst Tat auf einen Autohändler scheiterte. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wollten sie den Mann am 5. November vor seiner Wohnung abpassen, eine Polizeikontrolle vortäuschen und ihm sein Geld abnehmen. Als der Autohändler nicht zur erwarteten Zeit erschien, zogen die drei enttäuscht und mit leeren Händen wieder ab.

Erfolgreicher waren sie am 16. November. Sie klingelten an der Reinickendorfer Wohnung eines Drogenhändlers und behaupteten, eine Wohnungsdurchsuchung vorzunehmen, wobei der 41-jährige Kriminalbeamte nicht nur seine Dienstmarke zeigte, sondern auch seine im Schulterhalfter steckende Dienstwaffe sehen ließ. Die „Drogenfahnder“ entwendeten eine von den echten Ermittlern als gering bezeichnete Bargeldsumme, vier Mobiltelefone und Ausweise. Auf die Frage der Opfer, ob sie kein Durchsuchungsprotokoll erhielten, verneinten die Täter, fügten aber selbstsicher hinzu, sie könnten sich ihr Eigentum im LKA-Gebäude am Tempelhofer Damm 12 wieder abholen. Als die Opfer dann Tage später tatsächlich dort erschienen, wusste natürlich niemand von der vorausgegangenen „Durchsuchung“.

Danach liefen die Ermittlungen auf Hochtouren: Telefone wurden abgehört, Observationsteams des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) auf die Verdächtigen angesetzt. Dabei machten die die MEK-Beamten eine wenig erfreuliche Entdeckung: Der 32-jährige Verdächtige war einer ihrer Ex-Kollegen. Nachdem er zwei Mal betrunken am Steuer seines Wagens erwischt worden war, hatte man ihn beim MEK gefeuert. Und auch der 41-jährige Kriminalkommissar, der zuletzt im LKA 23 gegen Schlepper und Schleuser ermittelte, war ein „alter Kumpel“ vom SEK (Spezialeinsatzkommando). Er hatte die Spezialdienststelle verlassen, nachdem sich ihm im Landeskriminalamt Aufstiegschancen eröffnet hatten, die er beim SEK nicht gehabt hätte. Er nutzte seine Möglichkeiten bei der Kripo, um sich Informationen über potenzielle Opfer zu besorgen. Die beiden Taten, deretwegen die Staatsanwaltschaft jetzt gegen das Trio ermittelt, werden wohl nicht die einzigen bleiben. Im Visier der Fahnder sind auch weitere sieben Verdächtige aus der Unterwelt, die die kriminellen Polizisten mit Informationen und Kokain versorgt haben sollen.

Polizeiintern wird der Ermittlungserfolg unterschiedlich bewertet. Einerseits ist man froh, kriminelle Kollegen dingfest gemacht zu haben, andererseits sei es eine „Riesenblamage, dass ausgerechnet Beamte aus einer Spezialdienststelle“ zu Verbrechern geworden seien, sagte ein Beamter. weso

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