Berlin : Diese Weiche ist die Härte

Am Hauptbahnhof entgleist ein Zug. Bis Ende der Woche werden Regional- und Fernverkehr umgeleitet.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich TSP

Berlin - Die Entgleisung eines Eurocitys hat am Montag zum Chaos im Fern- und Regionalverkehr der Bahn geführt. Um 11.30 Uhr sprangen die Lok und zwei Wagen nach der Ausfahrt aus dem Berliner Hauptbahnhof beim Überfahren einer Weiche aus dem Gleis. Verletzt wurde niemand. Die Fahrgäste des aus Prag kommenden Zuges waren wenige Minuten zuvor im Tiefgeschoss des Hauptbahnhofs ausgestiegen; der Zug sollte leer bis Grunewald weiterfahren und dort abgestellt werden. Die beiden Strecken nach Spandau und Gesundbrunnen wurden gesperrt. Vermutlich wird die Reparatur der Gleise bis Donnerstag oder Freitag dauern, hieß es am Nachmittag. Alle Fernzüge fahren bis auf Weiteres über die Ost-West-Stadtbahn und halten am Hauptbahnhof oben und auch am Ostbahnhof. Der Halt in Südkreuz entfällt, einen Halt am Zoo soll es nicht geben. Vor allem in Richtung Süden (Dresden/Leipzig) verlängerte sich die Fahrzeit gestern um bis zu 60 Minuten.

Im Regionalverkehr sind die Regionalexpresslinien 3 und 5 sowie die RB 10 betroffen. Die RE 3 wird zwischen Bernau und Blankenfelde über Berlin-Lichtenberg umgeleitet. Die Halte in Berlin Lichterfelde Ost, Südkreuz, Potsdamer Platz, Hauptbahnhof und Gesundbrunnen entfallen. Die Linie RE 5 verkehrt im Südabschnitt planmäßig. Im Nordabschnitt fahren die Züge nur zwischen Berlin Gesundbrunnen und Oranienburg, nördlich von Oranienburg gibt es wegen Bauarbeiten seit Monaten eine Vollsperrung. Die RB 10 verkehrt von Nauen kommend über Spandau nach Charlottenburg. Die von der ODEG betriebene RE 4 darf als einzige Linie mit Schritttempo die Unfallstelle auf dem einzigen noch freien und unbeschädigten Gleis passieren. Für diese Linie gibt es keine Umleitungsmöglichkeit. Die S-Bahn ist nicht betroffen.

Da die 84 Tonnen schwere Lok der Baureihe 101 zwischen zwei Gleisen zum Stehen kam, sind der Oberbau dieser beiden Gleise und die Weiche stark beschädigt. Je nach Stellung dieser Weiche biegt ein Zug dort Richtung Spandau oder nach Gesundbrunnen ab. Zur Unfallursache machte die Bahn keine Angabe, Experten halten es für wahrscheinlich, dass die Weiche unter dem Zug gestellt wurde. So war im vergangenen August in Tegel eine S-Bahn entgleist, weil unter dem fahrenden Zug die Weiche gestellt worden war.

Die Bundespolizei vermaß die Unfallstelle aus dem Hubschrauber heraus digital. Nach Abschluss der Ermittlungen auch am Boden wollte die Bahn am Abend beginnen, den Zug wieder aufzugleisen. Zunächst war unklar, ob dazu ein Kran benötigt wird oder einfaches Gerät ausreicht.

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