Berlin : Digitale Bildstörung

Das terrestrische Fernsehen macht den Zuschauern Ärger

Martín E. Hiller

Es sollte der große Aufbruch in ein neues Fernsehzeitalter werden, doch bisher brachte er den Zuschauern in erster Linie Ärger: Wie berichtet, hat die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) an diesem Freitag damit begonnen, die ersten Sender nicht mehr wie bisher analog auszustrahlen. Die Umstellung auf digital-terrestrische Übertragung sollte für „mehr Programme und bessere Qualität“ sorgen, wie der Direktor der MABB, Hans Hege, seinen Kunden versprach.

Allein, die Wirklichkeit sieht anders aus: Auch für Zuschauer, die sich eine der teureren Versionen der Set-Top-Boxen gekauft haben, die zur Entschlüsselung der Signale notwendig sind. Statt der versprochenen 24 empfingen sie anfangs nur 23 Kanäle, von denen sich im Laufe der Woche noch diverse verabschiedeten. Uwe Haaß von der Technikabteilung der MABB vertröstet die Kunden auf kommenden Freitag: „Dann schalten wir vom SFB-1-Testkanal auf einen richtigen Sender um, und man kriegt wieder Sender wie WDR, MDR oder Phoenix rein.“ Auf die Spartenkanäle DSF, Eurosport, VIVA wird der Kunde allerdings bis auf weiteres verzichten müssen. „Denen ist es bis jetzt zu teuer, digital zu senden, also haben sie noch keinen Antrag auf Übertragung bei uns gestellt“, erklärte Haaß. Er gehe aber fest davon aus, dass auch diese Sender nachziehen werden, wenn der Verkauf der Set-Top-Boxen „von derzeit 75 000 auf die erwarteten 250 000 Stück“ (Haaß) ansteigt.

So viel Zeit haben die Zuschauer nicht. Bei der MABB häufen sich schon jetzt Beschwerden über die angekündigte, aber nicht angebotene Programmvielfalt sowie über andere Nachteile der neuen Technik. So ist es nicht möglich, über die Set-Top-Box ein Programm anzusehen und gleichzeitig ein anderes auf Video aufzuzeichnen. Außerdem fallen auch die empfangbaren Programme zuweilen durch schlechten Empfang auf. Die MABB hat zwar eigens für dieses Thema eine Hotline eingerichtet (01802-323939) – doch dort meldet sich lediglich ein Anrufbeantworter. „Wir mussten trotz dieser Mängel starten. Die privaten Sender hätten sonst die Geduld verloren“, entschuldigte Haaß die Anfangsschwierigkeiten.

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