Dokumentation : Klaus Wowereits Rede zum Tag der Deutschen Einheit

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat anlässlich der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit in der Frankfurter Paulskirche gesprochen und dabei Rentenangleichungen in Ost und West gefordert. Wir dokumentieren seine Rede im Wortlaut.

Klaus Wowereit hat anlässlich des Tags der Deutschen Einheit Rentenangleichungen in Ost und West gefordert.
Klaus Wowereit hat anlässlich des Tags der Deutschen Einheit Rentenangleichungen in Ost und West gefordert.Foto: dpa

Herr Oberbürgermeister, lieber Kollege Peter Feldmann, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger Frankfurts, Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Am 3. Oktober 1990 wurde die Deutsche Einheit vollzogen.

 Vor einigen Tagen wurde in Berlin die Black Box am Checkpoint Charlie eröffnet. Die Besucher können sich die Ausstellung Zentrum Kalter Krieg anschauen. Es wird die Zeit der Konfrontation der Blöcke vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Mauerfall dargestellt. Die Black Box soll ein Vorläufer eines großen Museums über den Kalten Krieg sein.

Im Vorfeld dieser Ausstellung haben Wissenschaftler aus der ganzen Welt die Bedeutung der Aufarbeitung der Zeit des Kalten Krieges betont. Andere haben befürchtet, dass damit die Greueltaten der DDR Diktatur relativiert würden. Die Ausstellung widerlegt die Skeptiker.

Auf einem anderen Grundstück gegenüber enthüllte der Künstler Yadegar Asisi sein großes Mauerpanorama. Es zeigt das Leben im Schatten der Mauer und versetzt Betrachter zurück in die 80er Jahre. Seitdem strömen die Besucherinnen und Besucher dort hin und viele sind emotional tief berührt. Erinnerungen kommen wieder bei den Älteren auf. Aber bei vielen Jüngeren entsteht überhaupt erst mal ein Gefühl des Nachempfindens. Eine Vorstellung dessen, was sie sonst nur aus Erzählungen kennen. Heute, 22 Jahre nach der Wiedervereinigung und fast 23 Jahre nach dem Fall der Mauer!

Nein, Deutschland ist kein Volk von Mauer-Nostalgikern geworden. Das wäre eine völlig falsche Interpretation. Aber wir leben inzwischen, gerade die Jüngeren, schon wieder in einer Zeit, in der diese nahe Zeitgeschichte erklärt und vermittelt werden muss. In der Erinnerungen in besonderer Weise wertvoll werden. In der das Interesse daran wächst. Gerade in Berlin erleben wir das. Die vielen Millionen Besucherinnen und Besucher, die jedes Jahr in die Stadt kommen, wollen die Originalschauplätze sehen und sich mit dieser Vergangenheit auseinandersetzen.

Niemand ist so froh wie die Berlinerinnen und Berliner, dass die deutsche Teilung hinter uns liegt. Wer heute über Beschwernisse im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung klagt, sollte sich an die bewegende Zeit der Wende erinnern. Es waren die Bürgerrechtler in der DDR die furchtlos auf die Straßen gingen.

Es waren die vielen Menschen die sich anschlossen  und den Mut hatten für die Freiheit zu demonstrieren – bis die Mauer fiel. Das sind Tage im Leben eines jeden Deutschen, die man nicht vergessen sollte. Einer meiner Vorgänger Walter Momper brachte unsere Gefühlslage auf den Punkt, als er sagte: "Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk auf der Welt."

Aus dem 19. Jahrhundert ragt die Paulskirche als bleibendes Symbol des Freiheitswillens der Deutschen heraus. Für das 20. Jahrhundert ist die Friedliche Revolution in der DDR ein Meilenstein in der Freiheitsgeschichte der Deutschen. Darauf können die Bürgerinnen und Bürger Ostdeutschlands stolz sein. Es waren nicht die klugen Regierungen, sondern einfache Bürgerinnen und Bürger, die die Wende herbeiführten.

 

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