Berlin : Drama im Müggelsee: 19-Jähriger ging plötzlich unter

200 Meter vom Ufer ertrank der Köpenicker vor den Augen seiner Freunde Polizei suchte bis zum Abend mit Hubschrauber und Tauchern – vergeblich

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Drei der vier Schwimmer schafften es gerade noch ans Ufer des Müggelsees. Ein 19-Jähriger aber gilt seit Donnerstagmittag als vermisst: Mit einem Hubschrauber, Booten und Tauchern hatten Polizei und Feuerwehr stundenlang nach dem jungen Mann gesucht – ohne Erfolg. Am Abend wurde die Suche eingestellt.

Etwa 200 Meter hatten die vier Männer vom Nordufer des Müggelsees zurückzulegen. Ihr Ziel war eine Messinsel im Wasser, eine Art Floß für eine Wetterstation. Plötzlich sei der 19-Jährige unter Wasser geraten und nicht wieder aufgetaucht, berichtete ein Polizeisprecher. Die drei anderen gerieten in Panik. Zwei Freunde schwammen an Land, um Hilfe zu alarmieren. Der dritte sei noch nach dem 19-Jährigen getaucht, habe ihn aber nicht mehr hochziehen können. Er brachte sich dabei selbst in Gefahr: Mit letzter Kraft schwamm er ans Ufer und wurde von anderen Badegästen erschöpft aus dem Schilf gezogen. Um die drei jungen Männer, 18 und 19 Jahre alt, kümmerte sich ein Notfallseelsorger. Sie sind unverletzt. Bis zum Abend hatten Rettungskräfte an den Uferstraßen geparkt; der Hubschrauber kreiste über dem See, Taucher suchten bis 19 Uhr das Wasser ab. Am Ufer lagen noch immer die Fahrräder der jungen Männer.

Warum den 19-Jährigen nach nur 200 Metern im Müggelsee die Kraft verließ, ist unklar. Bevor er unterging, soll er Wasser geschluckt und keine Luft mehr bekommen haben. Den See kennt er, der 19-Jährige wohnt in Köpenick. Die vier Männer gingen an einer nicht bewachten, wilden Badestellen ins Wasser. Ob sie zuvor in der Mittagshitze Alkohol getrunken hatten, konnte die Polizei nicht sagen.

Schon am Vorabend hatte es einen Unfall auf Berlins Gewässern gegeben: Ein 30-Jähriger musste in ein Krankenhaus gebracht werden, nachdem er in Britz in den Teltowkanal gesprungen war, um seine beiden Hunde zu retten. Die beiden American Staffordshire des 30-Jährigen waren gegen 17 Uhr an der Rungiusbrücke ins Wasser gehechtet. Aus Sorge um seine Tiere sprang der Mann ebenfalls in den Kanal, verlor dann aber die Kraft, drohte zu ertrinken und schrie um Hilfe. Anwohner und Passanten hörten die Rufe und zogen ihn aus dem Wasser. Die Hunde wurden von der Besatzung eines vorbeifahrenden Kajaks aufgenommen, an Land gebracht und in die Obhut der Polizei gegeben.

Die Zahl der Badeunfälle in Berlin und Brandenburg ist in diesem Jahr laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) höher als sonst. Grund sind der heiße Sommer und die deswegen vollen Badestellen. Vergangene Woche ertrank ein 23-Jähriger im Orankesee in Alt-Hohenschönhausen. Im vergangenen Jahr sind 19 Schwimmer in Berlin und Brandenburg ertrunken, berichtet die DLRG. In Brandenburg sind es in diesem Jahr bereits zwölf. Eine Statistik nur für Berlin über tödliche Badeunfälle gibt es für dieses Jahr laut Polizei und DLRG nicht.

Grund für die Todesfälle, die Verletzungen und die vielen Unfälle sind laut Berlins DLRG-Sprecher Frank Villmow „meistens Alkohol, die Hitze und zu viel Essen im Magen“. Dabei sterben die Schwimmer nicht immer durch Ertrinken, sondern auch durch einen Kreislaufkollaps oder den Sprung in zu flaches Wasser. Kinder seien besonders gefährdet: „Kinder ertrinken leise“, sagt Villmow. „Sie müssen die ganze Zeit beaufsichtigt werden, und das nicht aus der Entfernung von der Wiese.“

Schwere Unfälle oder gar Todesfälle in den Frei- und Sommerbädern der Berliner Bäderbetriebe hat es diesen Sommer nicht gegeben, sagte der Sprecher der Berliner Bäderbetriebe Matthias Oloew. Jedes Becken sei von ein bis zwei Bademeistern überwacht. Der letzte Todesfall liege mehr zehn Jahre zurück.

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