Berlin : Draußen vor dem Tor

Ein Neuköllner Fußballverein bemüht sich seit Jahren vergeblich um einen teuer angelegten und weitgehend ungenutzten Fußballplatz

Tanja Buntrock

Ein makelloser Kunstrasenplatz mit Flutlicht. Sauber und gepflegt. Ab dem späten Nachmittag und den Wochenenden ungenutzt. „Perfekt“, dachte sich Kenan Isikli vor fast zwei Jahren, als er sich den Fußballplatz der Grundschule am Sandsteinweg angeschaut hat. Genau der richtige Platz für die Jugendlichen seines Vereins, die einen Spielort suchen. Kurz zuvor war der Sportplatz und der Schulhof für rund 1,2 Millionen Mark komplett erneuert worden.

Isikli sitzt im Clubraum seines Sportvereins „1. SV Galatasaray“ in der Innstraße in Neukölln. Der Geschäftsführer des über 400 Mitglieder starken Fußball- und Basketballvereins ist stinksauer, wenn er davon erzählt. 560 000 Mark hat der Kunststoffrasen damals gekostet. „Der Platz ist tabu. Der gehört der Schule“, hat Isikli seit zwei Jahren immer wieder zu hören bekommen.

Seit zehn Jahren trainiert der Verein auf dem Schotterplatz an der Onkel-Bräsig- Straße in Neukölln. Weil die Sprinkleranlage jedoch seit langem kaputt ist, bat Isikli das Sportamt um einen Ausweichplatz. „Im Sommer bekommen wir Probleme, weil der Platz total staubig und für unsere Spieler eigentlich eine Zumutung ist. Im Winter ist der Platz gesperrt, weil er wegen Vereisung nicht bespielbar ist.“

Der Fußballplatz der Grundschule am Sandsteinweg – ein Lichtblick. „Obwohl er ziemlich weit weg ist von unserem Vereinssitz. Aber das nehmen wir in Kauf.“ Sogar schriftlich habe er sich an den Leiter des Sportamtes gewandt und angefragt, ob der Verein den Kunstrasenplatz nutzen dürfe. Doch bei der Besichtigung habe Isikli erfahren, dass die Flutlichter abgeklemmt sind. „Außerdem gibt es keine Kabinen mehr.“ Sie sind von der Schule zu Werkstätten, Futterlagerräumen für den schuleigenen Zoo und einem Schulmöbel-Museum umgewandelt worden. Der stellvertretende Schulleiter der Grundschule am Sandsteinweg, Jürgen Schauer, sagt: „Richtig, der Platz ist uns vor etwa zehn Jahren vom Bezirk überlassen worden. Seitdem ist es nur Schulmitgliedern gestattet, hier zu kicken.“ Kabinen seien nicht nötig, weil die Schüler schon ihre Sportkleidung anhaben, wenn sie kommen. Flutlicht brauche man hier auch nicht, weil der Platz nach 17 Uhr nicht mehr genutzt werde.

Kenan Isikli kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. „Warum dürfen denn auf anderen Schulsportplätzen Fußballvereine spielen, hier aber nicht?“ Isikli ist sicher, dass seine Spieler bald die Motivation zum Kicken verlieren, wenn sie sich ständig auf mehrere Plätze verteilen müssen. „Irgendwann lassen die Jungs es sein, hängen auf der Straße herum und bauen womöglich nur Mist. Genau das wollen wir doch mit unserer Vereinsarbeit verhindern“, sagt der „Galatasaray“-Geschäftsführer.

Der Neuköllner Stadtrat für Bildung, Schule und Sport, Wolfgang Schimmang (SPD), versteht Isiklis Problem nicht. „Den Neuköllner Mannschaften, die hier vor zehn Jahren trainiert haben, war der Weg zu weit. Der Platz wurde nicht ausgenutzt. Deshalb haben wir ihn an die Schule übertragen.“ Zudem wisse er überhaupt nichts davon, dass sich ein Verein für den Platz interessiert.

„Natürlich würden wir genau prüfen und uns Stellungnahmen auch von der Schule einholen, wenn ein Verein einen Antrag stellt.“ Für den Galatasaray-Geschäftsführer Isikli sind das alles Ausreden. „Ich habe an den Leiter des Sportamtes geschrieben, und der hat nicht geantwortet“, sagt Isikli. „Wenn der Stadtrat nichts davon weiß, kann ich doch nichts dafür.“ Isikli ist überzeugt, dass die Verantwortlichen gar nicht daran interessiert seien, einen Verein auf dem Platz spielen zu lassen. „Dann nämlich müssten sie das Flutlicht wieder in Stand setzen und die Kabinen herrichten. Und das kostet ihnen einfach zu viel Geld“, glaubt er.

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