Dreharbeiten : Wieder Streit um Cruise

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sieht das Engagement von Tom Cruise für die Sekte Scientology problematisch. Er ist aber trotzdem dafür, dass dieser den Widerstandskämpfer Stauffenberg im Film verkörpert.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält das Engagement von Hollywood-Star Tom Cruise für Scientology für problematisch. „Wir können nicht einerseits sagen, wir müssen aufklären, den Verfassungsschutz einschalten und die Menschen vor Scientologen schützen, andererseits aber behaupten, das hier sei jetzt kein Problem. Es ist eins“, sagte Wowereit der Zeitschrift „TV Spielfilm“. Zugleich betonte er, selbstverständlich dürfe Cruise den Widerstandskämpfer Stauffenberg spielen und in Berlin drehen. Wowereit sprach von einer Gratwanderung. Man müsse sowohl die künstlerische Freiheit des Schauspielers sehen als auch dessen Engagement „für eine Sekte“.

Ursula Caberta, Scientology-Beauftragten des Hamburger Senats, sieht das anders: „Tom Cruise ist ein Verfassungsfeind. Den Schauspieler kann man nicht vom Scientologen trennen. Er tritt immer in beiden Eigenschaften zugleich auf“, sagte sie am Mittwochabend bei der Vorstellung ihres Buches „Scientology: Wahn und Wirklichkeit. 28 Jahre Psychosekte“ im Theater „Tribüne“ an der Charlottenburger Otto-Suhr-Allee. Wowereit distanziere sich nicht deutlich genug von Cruise. Noch vor drei Jahren hatte er den Schauspieler im Roten Rathaus empfangen, wo sich Cruise in das Gästebuch der Stadt eintragen durfte. Caberta sagte, Scientology sei keine Religionsgruppe, sondern eine neue Form von politischem Extremismus. Die Sekte strebe danach, „in jedem Land der Welt ein totalitäres Staatssystem einzuführen“. Gleichzeitig bezeichne sie ihre Gegner als „Nazis“, die die Religionsfreiheit einschränken wollten. Cruise in der Stauffenberg-Rolle sei daher die denkbar schlechteste Besetzung. Außerdem sei er nicht nur Darsteller, sondern auch Produzent. „Die Drehgenehmigung im Bendlerblock ist eine Trophäe für Scientology“, sagte Caberta.

Im Hof des Bendlerblocks war Stauffenberg mit drei Mitverschwörern erschossen worden. Die Vorbereitungen zu den Dreharbeiten dort laufen auf Hochtouren. Der Hof wird durch eine künstliche Wand verkleinert, davor türmt sich bereits ein Sandhaufen. Im Juli 1944 wurde hier an einem Bunker gebaut, die Verschwörer wurden vor dem Sandberg am 20. Juli 1944 um Mitternacht erschossen. Diese Szene wird am Wochenende gedreht. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand ist Samstag und Sonntag nur für angemeldete Gruppen geöffnet.

Unterdessen geht der Streit um den Komparsenunfall weiter. Wie berichtet, war vor einigen Wochen eine Gruppe von Darstellern von einem fahrenden Lastwagen gestürzt, weil sich eine Ladeklappe geöffnet hatte. Die Polizei stellte das Fahrzeug sicher und ließ es untersuchen. Jetzt wurden auch Betroffene als Zeugen befragt. Einer teilte danach mit, der ihm auf einem Foto gezeigte Lkw sei nicht das Unfallfahrzeug, habe eine andere Heckklappe und sei, anders als der richtige Lkw, auf dem Foto mit Absperrungen beladen gewesen. Die Polizei wollte dazu wegen der laufenden Ermittlungen nichts sagen. dma, Lo., ac (mit KNA)

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