Berlin : Drehkreuz im Nichts

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies tröstet

die Region Neuhardenberg

Der Traum eines jeden Einwohners strukturschwacher Gebiete ist der Flughafen. Erst ist nichts da, absolut nichts außer sauren Wiesen und zotteligen Schafen, aber plötzlich: Wumm! Mag die nächste Metropole auch Tagesreisen entfernt sein, nur per Ferkeltaxi erreichbar oder über von Freischärlern kontrollierte Feldwege – egal. Denn wenn es möglich war, Hahn in der Eifel oder Stansted im britischen Nirgendwo mit prosperierenden Flughäfen auszustatten, funktioniert dieses Prinzip überall. Merke: Für 19 Euro fliegt der moderne Zeitgenosse überall hin, gern auch gleich wieder zurück. Hauptsache Fliegen!

Was das mit Berlin zu tun hat? Nichts. Aber auch Neuhardenberg am Oderbruch hat ja nichts mit Berlin zu tun, und trotzdem wollen sie dort einen Flughafen gründen. Präziser: ein Drehkreuz. Wo die Prager nach Vilnius umsteigen und die Königsberger nach Belgrad. Ach, und hat der Flieger nach Alma Ata heute Verspätung?

Und das alles im Oderbruch. Sollte es stimmen, dass Peter Strieder gegen dieses Projekt war, dann hat er da mal etwas richtig gemacht. Dass die Betreiber nun sauer sind und eine Klage androhen, gehört wohl zum Geschäft – und ist natürlich kompletter Humbug. Denn es gibt kein Menschenrecht auf Wolkenkuckucksheime, und auf Wolkenkuckucksflughäfen schon gar nicht. Hey, Oderbrüchler: Viel ist bei euch nicht los, zugegeben. Aber der seltsame Weltflughafen Neuhardenberg wird daran garantiert auch nichts ändern.

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