Berlin : Drehmomente

Der ADAC-Ball ist ein Ball für Traditionalisten. Konservative Politiker bekommen Beifall – und drei Herren um die 80 zeigen, wie man Stimmung macht

Matthias Oloew

Der Ball ist Pflicht für Traditionalisten. Als Einziger findet er noch im ICC statt, gehuldigt wird schon im Foyer der Mobilität im Auto – mit einem Mercedes 300 D aus den 50ern –, und im Saal stehen die Politiker von CDU und CSU in der Pole-Position. Freundlicher Applaus für die vermeintlich auto- freundlichen Politiker Jörg Schönbohm, Laurenz Meyer (beide CDU) und Michael Glos (CSU). Pfiffe und Buhs für die SPD-Männer Manfred Stolpe und Peter Strieder – ein Ritual. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck bleibt unerwähnt – und damit die Begrüßung erspart. Vertreter der Grünen waren noch nie da. Daran hat sich auch beim 78. Ball des Verkehrsclubs nichts geändert, der am Sonnabend gefeiert wurde.

Der größte Vorteil des Balls ist seine Größe. Weil rund 5000 Gäste kommen, bleibt der ADAC-Ball unterm Funkturm, und deshalb ist im Vergleich zu anderen Bällen auf der Tanzfläche viel Platz. Wenn es dennoch eng wird und einige Paare auf der Überholspur mit großen Schritten durch die sich bietenden Lücken tanzen, können das einige Herren nicht kommentarlos hinnehmen: „Sehr optimistisch!“, „Rechts vor links!“.

Es ist trotzdem ein Ball der guten Laune. Verantwortlich dafür: Hugo Strasser (82), Max Greger (78) und Paul Kuhn (76). Und dann ist da quasi noch ein vierter im Raum, nicht persönlich anwesend, aber als Zielscheibe des Grolls der drei immer wieder erwähnt: Karl Moik. Greger hadert mit der Fernsehunterhaltung von heute (als Beispiel dafür haben zuvor die Mädchen der Girl-Band „Preluders“ gesungen – bei eher zurückhaltendem Applaus), geht aber vor allem mit der volkstümlichen Unterhaltung des Karl Moik hart ins Gericht. Denn Moik und die zahlreichen Musikantenstadl seien schuld, sagt Greger, dass Big-Bands und Live-Swing im Fernsehen nicht mehr gefragt seien. „Jeder Ton Musik von hier oben ist heute Abend handgemacht“, sagte Greger, „ehrlich und live“ und legt mit seinem Saxophon los: „Stardust“ als erster Titel. Hugo Strasser mit Klarinette, ob solo oder im Duett mit Greger, ist ein Erlebnis, und als sie zusammen mit Paul Kuhn zum Finale „Oh when the saints“ intonieren, klatscht das Publikum begeistert mit. Als „Swing Legenden“ haben die drei sich zusammengefunden und touren seit Jahren durch Deutschland – vor ausverkauften Häusern.

Für Wolf Wegener, den ADAC-Chef, ein Abend nach seinem Geschmack. Nach einem Tanz mit der Girl-Reihe des Friedrichstadtpalasts antwortet er auf die Frage, wie es ihm gehe: „Wunderbar, alles voll durchblutet.“

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