Berlin : Drei Sterne für den Rucksack

Bis vor kurzem waren Jugend-Hostels in Berlin fast unbekannt. Jetzt ist das Angebot Spitze: ein kleiner Führer

Christian Hönicke

Handtücher hängen aus dem Fenster, MTV läuft auf Maximallautstärke, fünf Wanduhren zeigen die Zeiten an verschiedenen Orten der Welt, der Billard-Tisch ist ständig belagert, Rucksäcke sind achtlos in der Gegend verstreut, der Kopf eines übernächtigten Jugendlichen liegt schwer auf der Bar. Keine Frage, wir befinden uns in einem Backpacker-Hostel.

In Berlin muss sich diese Bezeichnung von Hotels für Rucksacktouristen (Backpacker) erst noch durchsetzen. „Vor sechs Jahren war das Wort Hostel in dieser Stadt noch praktisch unbekannt“, sagt Marc vom „A & O Backpackers“ am Zoo. Davor hatte man nur die Wahl zwischen einem teuren Hotel mit Mutti und Vati und einer miefigen Jugendherberge mit einem Spielverderber, der sich Hausmeister nennt. Mittlerweile hat sich die Situation geändert, die speziell auf Bedürfnisse von jungen Menschen ausgerichteten Hostels haben sich explosionsartig vermehrt. So sehr, dass nur noch vereinzelt neue Häuser wie das „Generator“ an der Storkower Straße oder das „Meininger 14“ am Halleschen Tor eröffnen, weil der Markt mit weit mehr als 30 Herbergen praktisch gesättigt ist. Für die Backpacker sind damit in der Stadt fast paradiesische Zeiten ausgebrochen. Im Gegensatz zu London, Amsterdam oder Paris gibt es hier ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und fast immer freie Betten.

Die Preise beginnen ab 10 Euro pro Nacht, selbst in Zentrumsnähe sind günstige Unterkünfte zu haben. „Berliner Hostels setzen mittlerweile die Standards in Europa“, sagt Nazir vom „Meininger“. „Vor allem in Sachen Service und Ausstattung.“ In der Tat bieten fast alle neuen Herbergen beispielsweise durchweg saubere Zimmer, Internetcafés, Fernsehgeräte, ein umfangreiches Frühstücksbüffet und gemütliche Gemeinschaftszimmer – das ist in anderen Städten in dieser Preislage keineswegs selbstverständlich. „Wir versuchen, Hotelservice zu Hostelpreisen anzubieten“, sagt Nazir.

Eine harte Konkurrenz für die klassischen Backpacker-Unterkünfte, denn vor allem Gruppen quartieren sich verstärkt in den schicken neuen Häusern ein. Im „Mitte’s Backpacker Hostel“ in der Chausseestraße, einem der ersten Hostels in Berlin, hält man wenig vom Luxus der Konkurrenz. Konferenzräume, Großbildleinwand und Designermöbel - alles Quatsch, sagt Mario. „Was zählt, ist eine gemütliche Atmosphäre.“ Die kommt in den individuell gestalteten Zimmern wie der „Honeymoon-Suite“ oder dem „Berlin-Room“ auf jeden Fall auf. Ein Frühstücksbüffet wie in den anderen Hostels wird im „Mitte’s“ nur in Ausnahmefällen aufgefahren, dafür gibt’s eine Selbstversorgerküche. „Die wahren Backpacker kaufen sich ihr Zeug sowieso im Supermarkt und machen es dann warm“, erklärt Mario. „Für die muss es vor allem billig sein.“

Internet: Hostels weltweit unter www.hostelworld.com

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