Berlin : Drohbrief

Werner van Bebber

hat eine schmutzige Fantasie Angenommen, Justizsenatorin Karin Schubert wollte ihrem Parteifreund Thilo Sarrazin helfen und die Tempodrom-Ermittlungen steuern: Sollte sie in einem Brief an den Generalstaatsanwalt die Arbeit der Staatsanwälte als nicht tragfähig kritisieren – oder sollte sie sich jeden brieflichen Kommentars enthalten? Ein interner Brief wird garantiert öffentlich. Das schadet der Senatorin, denn sie setzt sich mindestens dem Verdacht aus, sie wolle Staatsanwälte ein wenig steuern. Es nutzt den ermittelnden Staatsanwälten – jeder sieht, wie schwer es ist, das heikle Verfahren so objektiv wie möglich zu betreiben. Wer beeinflusst da wen? Mit einem solchen Brief, den die Senatorin angeblich nicht selbst geschrieben und womöglich nicht gesehen hat, würde Karin Schubert auch dem Finanzsenator schaden. Angenommen, sie hätte mit dem Brief Einfluss nehmen und nicht bloß Kritik üben wollen, würde doch jeder denken, es stehe so schlecht um Sarrazin, dass er ohne die Hilfe einer Parteifreundin fertig wäre. Dann wäre „Einfluss“ ein anderes Wort für „Bärendienst“ oder umgangssprachlich „Schuss ins Knie“. Angesichts der Beweislage ist es eine Frage der Verschmutzung der eigenen Fantasie, ob man Karin Schubert so etwas zutraut oder nicht.

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