Berlin : Dubioses Doppelspiel im Sporthallengeschäft

SIGRID KNEIST

Manager des Olympiastadions hat Beratervertrag mit Schwenkows Betreibergesellschaft VelomaxVON SIGRID KNEIST BERLIN.Am Sonntag läuft die Ausschreibungsfrist für den lukrativen Betrieb der gastronomischen Einrichtungen rund um das Olympiastadion aus.Jetzt ist eine personelle Verquickung von Ämtern und Tätigkeiten bekanntgeworden, die auch in diesem Zusammenhang bedenklich ist: Der Manager des Olympiastadions, Peter Schließer, hat seit einigen Monaten einen Beratervertrag mit der Velomax, der Betreibergesellschaft von Velodrom und Max-Schmeling-Halle.Zum Velomax-Konsortium gehört unter anderem der Konzertveranstalter Peter Schwenkow.Dem Vernehmen nach soll sich die Lufthansa-Tochter LSG, die den von Schwenkow betrieben Wintergarten bewirtschaftet, um die Gastronomie von Olympiastadion und den angrenzenden Anlagen beworben haben. Eine Stellungnahme der LSG war gestern allerdings nicht zu erhalten.Um die Gastronomie bewirbt sich auch die bisherige Betreiberin, die Messe- und Funkturm Gastronomie GmbH, die als 100prozentige Tochter der Messe Berlin gemeinsam mit Schultheiss die Anlagen in den letzten elf Jahren bewirtschaftet hat. Schließer, der neben seiner Tätigkeit als Stadionmanager außerdem Vize-Präsident des Basketballvereins ALBA, des Hauptnutzers der Max-Schmeling-Halle, ist, sieht in seiner Beraterfunktion für Velomax keine Interessenskollision: "Das sind zwei verschiedene Schuhe." Seine Tätigkeit für Velomax laufe auf Stundenbasis und umfasse lediglich organisatorische Fragen.Auch Staatssekretär Klaus Löhe sieht in der von ihm genehmigten Nebentätigkeit Schließers kein Problem. Der Präsident von ALBA-Berlin, Dieter Hauert, ist mit der Velomax-Gesellschaft ebenfalls verbunden, gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, dem Baubetreuer Otremba.Darüber hinaus gehört noch der Gebäudemanager Gegenbauer dem Konsortium an. Für den sportpolitischen Sprecher der Bündnisgrünen, Dietmar Volk, ist die Beraterfunktion Schließers eine "sehr merkwürdige Verquickung von Sport und Wirtschaft".Zu diesem "unglaublichen Vorgang" will er demnächst eine parlamentarische Anfrage stellen.Dies werfe erneut Fragen zu dem "merkwürdigen Verhalten" der Sportverwaltung in Sachen Betreibervertrag auf.Bis heute habe die Verwaltung den Abgeordneten noch keinen Vertragsentwurf vorgelegt, obwohl mehrfach gefordert.Denn bislang haben Senat und Velomax lediglich einen sogenannten Geschäftsbesorgungsvertrag geschlossen, die endgültige Fassung wird noch erarbeitet. In die Kritik geraten waren dabei jetzt vor allem die Kosten in Höhe von 16,4 Millionen Mark, die das Land im nächsten Jahr für den Betrieb der beiden Hallen aufwenden sollte.Der Hauptausschuß des Abgeordnetenhauses genehmigte in der vergangenen Woche zunächst nur 9,7 Millionen Mark für die Nutzung durch Schulsport und Vereine.Einen Betriebskostenzuschuß in Höhe von 6,7 Millionen Mark sperrten die Abgeordneten vorläufig.Darüber hinaus verhandelt das Land auch noch mit dem Betreiber über die Kosten für Kücheneinrichtung, Lautsprecheranlagen und Verdunkelungstechnik.Für die veranschlagten Kosten in Höhe von zehn Millionen Mark hat die Verwaltung folgenden Kompromiß angeboten: Die Gesellschaft nimmt den Kredit auf, das Land zahlt die Zinsen.

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