E-Mobility in Berlin : Die schwierige Suche nach der abgasfreien Zone

Die Idee, im Berliner Helmholtzkiez zur Probe nur Elektroautos fahren zu lassen, ist vorerst gescheitert. Aber die Initiatoren suchen weiter nach einem Ort für ihr Experiment.

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Noch sind Elektroautos im Stadtbild die Ausnahme. Auch im Helmholtzkiez bleibt das bis auf Weiteres so.
Noch sind Elektroautos im Stadtbild die Ausnahme. Auch im Helmholtzkiez bleibt das bis auf Weiteres so.Foto: dpa

Nach dem Scheitern des E-Mobility-Feldversuchs in Pankow nehmen die Organisatoren einen zweiten Anlauf. Konrad Otto Zimmermann, Generalsekretär des Städtenetzwerks Iclei, hat alle zwölf Bezirke angeschrieben, um die Chancen für einen Ersatzstandort zu sondieren. Parallel dazu laufen am Helmholtzplatz Gespräche mit Anwohnern und Gewerbetreibenden, ob das vierwöchige Festival für Elektromobilität am ursprünglich gewählten Ort, aber auf kleinerer Fläche stattfinden könnte. Zimmermann möchte schnell klären, ob Berlin noch für das Projekt zu gewinnen ist. Ansonsten könnten andere Bewerber zum Zuge kommen. Gespräche gebe es mit Johannesburg in Südafrika. Taiwan habe auch Interesse angemeldet.

Geringe Resonanz aus den Bezirken

Die Resonanz in den Bezirken ist derzeit überschaubar. Der in Pankow zwischen Grünen, SPD und CDU offen zutage getretene Konflikt um das Festival schreckt offenbar ab, selbst im grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg. „Überlegungen zum E-Mobility-Festival gibt es im Bezirk nicht“, mailte Baustadtrat Hans Panhoff auf Anfrage. Auch sein Kollege Carsten Spallek (CDU) aus Mitte hat das Thema bisher nicht auf dem Schirm. Stadtrat Marc Schule (SPD) aus Charlottenburg-Wilmersdorf könnte sich allenfalls ein mehrtägiges Straßenfest mit E-Mobilen vorstellen. „Einen Kiez für längere Zeit zu sperren, ist unrealistisch.“

In Lichtenberg sieht die Diskussionslage günstiger aus. Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU) war selbst Teilnehmer am ersten E-Mobility-Feldversuch in Suwon, Südkorea. Wenn der Bezirk finanziell nicht belastet werde, könnte er sich vorstellen, das Festival nach Lichtenberg zu holen. Die Debatte im Vorfeld sei auch in Suwon sehr kontrovers verlaufen, einige Gegner trennten sich auch nach Beginn des Versuchs nicht von ihrem angestammten Benziner: „Nach drei Tagen sind die Ersten wieder losgeknattert.“

Diese Abweichler hätten die Organisatoren großzügig ignoriert. Wichtiger als die reibungslose Umsetzung sei ohnehin der Diskussionsprozess und die Erfahrung, „was das mit den Leuten macht“, sagt Nünthel. „Das Festival ist mehr, als nur die Autos stehen lassen.“ Auch in Lichtenberg arbeite man an einem klimaschonenden Mobilitätskonzept. Die Suwon-Erfahrung nahm Nünthel zum Anlass, Geld aus dem Schlaglochprogramm des Senats für die Gehwegsanierung abzuzweigen.

Am Helmholtzplatz hat das Organisationsteam des E-Mobility-Festivals inzwischen ein Büro eröffnet. Dort gehe es jetzt darum, die Idee des Festivals vorzustellen und Überzeugungsarbeit zu leisten, sagt Geschäftsführer René Waßmer. Er ist immer noch zuversichtlich, dass es in Pankow klappen könnte. „Wir wollen niemandem das Auto wegnehmen, ohne eine Alternative anzubieten.“ Es werde für jeden Einzelfall eine Lösung ausgehandelt. In zwei bis drei Monaten müsse feststehen, wo das Festival stattfinden kann. Die Außenbezirke kommen wegen der vergleichsweise schlechten Anbindung an den Nahverkehr kaum infrage. Die Macher wünschen sich einen intakten Wohnkiez, der mindestens eine zentrale Einrichtung hat, eine Schule, einen Platz oder eine Kultureinrichtung.

Ein Straßenfest mit Buden und Angeboten zum Ausprobieren kommt nicht infrage. „Physische Voraussetzung ist, dass die Autos außerhalb des Gebietes abgestellt werden“, sagt Zimmermann. Die Straßen könnten dann zum Spielen, Essen, Sporttreiben und für Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden. Und zum Abstellen der Elektrofahrzeuge, die den Bewohnern zur Verfügung stehen sollen. An den Zufahrten ins Versuchsgebiet würden Checkpoints eingerichtet, an denen Autofahrer gebeten werden, auf das Hineinfahren zu verzichten. „In Suwon waren dort Freiwillige postiert“, im Schichtsystem, Tag und Nacht. „Die haben die Leute überzeugt“, sagt Zimmermann.

Von den 4300 Bewohnern des Versuchsgebietes in der südkoreanischen Stadt Suwon, wo das E-Mobility-Festival 2013 stattfand, bekamen 16 eine Ausnahmegenehmigung. Am Helmholtzplatz wären 20 000 Menschen betroffen gewesen, „das waren eher zu viele“, so Zimmermann. Vor allem nachhaltig soll das Festival sein. In Suwon gab es zwei Runde Tische, um zu besprechen, was bleibt. Die Anwohner forderten Tempo 20, autofreies Wochenende einmal im Monat – dann soll auf den Straßen zusammen getafelt werden – und restriktivere Parkregelungen. Jetzt setzt sich die Stadtverwaltung damit auseinander.

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