Ebay-Auktion abgebrochen : Flaschenpost aus Berlin ist noch immer nicht am Ziel

Die älteste Flaschenpost der Welt hat vor 101 Jahren ein Berliner geschrieben. Heute sollte sie unter den Hammer kommen - doch dann brach Ebay die Auktion ab. Der Verkäufer ist enttäuscht, das Museum erleichtert.

Bodo Straub
Konrad Fischer (links) wollte eine Flaschenpost aus dem Jahr 1913 im Internet verkaufen. Ein Berliner hatte sie abgeschickt. Jetzt bleibt sie wohl im Museum. Foto: dpa
Konrad Fischer (links) wollte eine Flaschenpost aus dem Jahr 1913 im Internet verkaufen. Ein Berliner hatte sie abgeschickt. Jetzt...Foto: dpa

„Wir saßen mit dem Laptop hier am Hafen, und auf einmal machte es Bumm, und die Seite war weg", erzählt Konrad Fischer. Der Fischer aus Kiel wollte eigentlich sehen, für wie viel Geld die älteste Flaschenpost der Welt versteigert würde. Im März hatte er sie aus der Ostsee gezogen, 101 Jahre nachdem sie der Berliner Bäckersohn Richard Platz ins Wasser geworfen hatte. Doch kurz vor Ende der Versteigerung brach das Auktionshaus Ebay ab: „Die Auktion war aufgrund ihrer ungewöhnlich langen Lieferfrist nicht im Einklang mit unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen“, erklärte ein Ebay-Sprecher dem Tagesspiegel.

Zur Zeit ist die Flasche nämlich noch im Internationalen Maritimen Museum Hamburg (IMMH) ausgestellt, und zwar mindestens bis zum 31. Dezember. Erst danach wollte sie Fischer an den Höchstbietenden verschicken – als die Auktion abgebrochen wurde, stand sie bei mehr als 3 600 Euro. Aber eine Ware erst ein halbes Jahr nach der Auktion zu liefern, das gehe bei Ebay nicht, sagt der Sprecher, Fischer hätte höchstens das Eigentumsrecht verkaufen können.

Kommt die Flasche ins Museum?

Erst einmal erleichtert sein dürfte Angela Erdmann aus Pankow. Die Enkelin von Richard Platz, der 1913 die Flasche abgeschickt hatte und 1946 verstarb, hat ebenfalls Ansprüche angemeldet. Auf Facebook schrieb sie: „Mein Opa hat eindeutig auf der Postkarte in der Flaschenpost geschrieben, dass der Finder sie an ihn zurücksenden soll. Auch wenn die Flaschenpost 101 Jahre unterwegs war, gehört sie doch den Nachfahren und nicht dem Fischer!“ Der Großvater lebte in der damaligen Cecilienstraße in Treptow, die heute Rodelbergweg heißt.

Rekord-Flaschenpost: Das war der Mann, der sie ins Meer warf
Ihm ging sie ins Netz: Der Kieler Fischer Konrad Fischer entdeckte die Rekord-Flaschenpost am 4. April 2014 in seinem Fang. Drinnen steckte eine Karte mit der Bitte, diese an seine Berliner Adresse zurück zuschicken. Ein Familienforscher fand heraus, dass eine Enkelin von Richard Platz heute in Pankow lebt. Sie heißt Angela Erdmann. Von ihrem früh verstorbenen Großvaters wusste sie fast nichts. Erst nach dem Fund der Flaschenpost studierte sie alte Fotoalben, Briefe und seine Tagebücher. Sie stellte fest: Großvater war ein toller Mann! Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: dpa
07.04.2014 10:01Ihm ging sie ins Netz: Der Kieler Fischer Konrad Fischer entdeckte die Rekord-Flaschenpost am 4. April 2014 in seinem Fang....

Erdmann wollte, dass die Flasche im Museum ausgestellt wird, und es deutet vieles darauf hin, dass sie auch dauerhaft dort landet: Der freie Kurator des IMMH Holger von Neuhoff erzählt, ein Spender sei bereit, Konrad Fischer die Flasche abzukaufen und dem Museum zu stiften. „Der Stellenwert dieses Exponats ist sehr hoch für unser Museum. Als ich gesehen habe, dass die Flasche bei Ebay steht, war ich angefasst.“ Er vermisst bei Fischer vor allem den Respekt gegenüber einem „so historischen Gut“ sowie gegenüber dem Museum und der Enkelin: „Er hätte uns zumindest etwas sagen können, bevor er die Flasche verkauft, dann hätten wir eine Lösung gefunden.“

Konrad Fischer versteht die Aufregung nicht: „Ich kann ja nicht bei jedem Blecheimer, den ich aus dem Wasser ziehe, nach dem früheren Besitzer suchen“, sagt er, „und meistens ist es den Leuten auch total egal, so lange kein Wert auftaucht.“ Ursprünglich wollte er von dem Geld aus der Auktion seinen Kutter reparieren lassen. Jetzt wird er mit dem Museum in Verhandlungen treten: „Eigentlich ist das ja auch schöner, wenn das im Museum steht als bei irgendjemandem zu Hause im Schrank.“

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