Berlin : Ehemalige Stasi-Zentrale: Ein Betonklotz gegen den unerwünschten Einblick

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"Standort 17 W, Objekt 1.13.1", steht unter dem Foto. Darunter ist die Zeit der Aufnahme vermerkt und das Wetter: "leicht dunstig". Im Februar stiegen Kundschafter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf die gerade im Bau befindlichen Hochhäuser an der Frankfurter Allee und hielten ihre Fotoapparate in Richtung Norden. Sie wollten prüfen, was die künftigen Bewohner der 20 Stockwerke beim Blick auf die Ruschestraße zu sehen bekommen. Das Ergebnis erschütterte die MfS-Offiziere: Die Bürger konnten direkt auf den Hof der Zentrale schauen. Nun half nur noch Beton.

Ein großer Bau an der Ruschestraße musste her, möglichst hoch. Und so wurde ein Plattenbau in Auftrag gegeben, der genau diesen Anforderungen entsprach. Haus 15 der MfS-Zentrale wurde errichtet, die Hauptabteilung Aufklärung zog dort ein. Heute befinden sich hier Büros der Bahn AG. Abgesehen von einem kleinen Vorbau hat sich das Gebäude bis heute nicht verändert.

Die Stasi als Stadtplaner - bislang ist über dieses Phänomen wenig bekannt. Doch Fotos, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegen, belegen: Wenn es um die eigenen Belange ging, machte der Geheimdienst auch vor Architektur und Stadtentwicklung nicht halt. Das gesamte Areal zwischen Frankfurter Allee und Normannenstraße wurde zugebaut. Kleinere Querstraßen wie Müllerstraße und Hellmuthstraße verschwanden einfach.

Beim Umbau des Viertels wurde auch keine Rücksicht auf den Denkmalschutz genommen. Alte Wohnhäuser im Bauhaus-Stil an der Ecke Ruschestraße/Normannenstraße wurden platt gemacht, nachdem die Stasi sie von der Schutzliste streichen hatte lassen. Ein kleines Gemeindehaus der Neuapostolischen Kirche musste ebenfalls weichen. Der Glaubensgemeinschaft, die gute Kontakte nach Amerika pflegte, wurde ein Ersatzhaus am Münsterlandplatz angeboten. Nach dem Abriss stellte die Stasi das klobige Haus 18 an die Ecke und richtete darin ihre Hygiene-Inspektion und einen Versorgungstrakt ein. Beim Sturm der Stasi-Zentrale stießen die Bürger hier auf ein Weinlager und auf Berge stinkender Konservendosen.

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