Berlin : Eher Depression als Burn-out

Berlin liegt bundesweit an dritter Stelle bei der Zahl psychischer Erkrankungen.

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Am Ende. Oft lautet die Diganiose „Burn-Out“, wenn jemand nicht mehr kann. Krankenkassen meinen, dies sei zu undifferenziert. In der Grafik ist dargestellt, für wie viele Krankentage 100 Beschäftigte zusammen im Jahr fehlen. Foto: dpa
Am Ende. Oft lautet die Diganiose „Burn-Out“, wenn jemand nicht mehr kann. Krankenkassen meinen, dies sei zu undifferenziert. In...Foto: picture-alliance/ gms

Die Zahl der Menschen, die wegen psychischer Leiden krank werden, nimmt weiter leicht zu. Doch ausgerechnet das viel diskutierte Burn-out spielt dabei kaum eine Rolle. Das hat eine Studie der Krankenkasse DAK unter ihren Berliner Versicherten ergeben. Demnach war vergangenes Jahr nur rund jeder 440. Mann und jede 220. Frau in der Hauptstadt wegen eines Burn-outs krankgeschrieben. Achtmal häufiger etwa werden Depressionen festgestellt.

Experten sind sich einig, dass sich hinter den gestellten Burn-out-Diagnosen andere Leiden verbergen – bis hin zur unentdeckten Schizophrenie. Burn-out sei eher ein Risikozustand, keine Krankheit, sagte die Berliner DAK-Chefin Astrid Fricke am Mittwoch. Im streng medizinischen Sinne hat man sich auch in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht auf eine entsprechende Diagnose geeinigt: Die Krankheit Burn-out gibt es laut WHO vorerst nicht.

Zu den Ergebnissen des aktuellen DAK-Gesundheitsreports 2012 passt auch, dass die ständige Erreichbarkeit der Beschäftigten in Zeiten von Laptops und Smartphones nach wie vor die Ausnahme sei: Nur 15 Prozent der Befragten rufen laut DAK täglich ihre dienstlichen E-Mails noch nach der Arbeitszeit ab. Allerdings könne schon ein „mittleres Maß“ an Erreichbarkeit zu psychischen Störungen führen.

Am häufigsten erkranken die Berliner DAK-Versicherten nach wie vor am Muskel-Skelett-System, etwa Sehnenentzündung, gefolgt von Atemwegsbeschwerden. Mit rund 16 Prozent der Krankschreibungen kommen dann die psychischen Leiden. Weil solche Erkrankungen oft besonders lange dauern, kosten sie die Kassen allerdings mehr als etwa Behandlungen des Atemwegsystems. Nach DAK-Zahlen sind Berliner, bei denen seelische Leiden diagnostiziert wurden, im Durchschnitt 33 Tage krank. „Diese Leiden müssen deshalb stärker in den Fokus rücken“, sagte DAK-Chefin Fricke. Im Bundesvergleich liegt Berlin mit 2,5 Fehltagen wegen psychischer Erkrankungen pro Versichertem im Jahr an dritter Stelle, nur in Hamburg und Saarland fehlen Angestellte deswegen häufiger. Dabei sind die Tage mit Krankschreibungen – anders als bei anderen Diagnosen – ungleich verteilt: Wenige Versicherte erkranken an psychischen Leiden, dafür müssen sie dann aber lange von der Arbeit befreit werden.

Dass die Zahl der Diagnosen wegen psychischer Erkrankungen steigt, ist nicht neu. Dazu hat nach Einschätzung der DAK wesentlich beigetragen, dass viele Arbeitnehmer inzwischen von sich aus psychische Probleme ansprechen. In nur 20 Prozent der untersuchten Fälle hat dies 2012 der Hausarzt im Gespräch mit Patienten als Erster getan. Früher seien viele Patienten etwa wegen chronischer Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden krankgeschrieben worden, erklärte die DAK, heute eben öfter wegen möglicher Depression.

Die DAK ist eine der größten Kassen Deutschlands. Sie vertritt in Berlin fast 240 000 Versicherte. Die aktuelle Untersuchung bestätigt auch Analysen anderer Institutionen. Die DAK-Versicherten sind allerdings nach wie vor seltener Industrie- und Bauarbeiter sowie Beamte, obwohl die traditionellen Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherungen verschwimmen. Mit 60 Prozent bilden Angestellte – oft im öffentlichen Dienst der Stadt – nach wie vor die größte Versichertengruppe. Die Zahlen des DAK-Reportes ermöglichen insofern nur bedingt einen Überblick. Schon im Februar hatte die Krankenkasse, wie berichtet, bundesweite Zahlen vorgestellt: Die Fehltage aufgrund psychischer Leiden hatten sich zwischen 1997 und 2012 um 165 Prozent erhöht. Dazu habe auch das „Bewusstsein und die Sensibilität von Ärzten und Patienten diesen Krankheiten gegenüber“ beigetragen. Medizinisch gesehen hätten psychische Störungen in der Bevölkerung nur wenig zugenommen.

Informationen zu psychischen Erkrankungen finden Sie im Internet: www.gesundheitsberater-berlin.de

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