Ehlert meldet sich zurück : Treberhilfe sagt dem Senat den Kampf an

Der Ex-Treberhilfe-Chef Harald Ehlert will gegen die Kündigung der Senatszuwendung klagen und die Straßensozialarbeit aus eigenen Mitteln fortführen.

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Harald Ehlert bei einer Pressekonferenz im Februar 2010, in der er zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nimmt.
Harald Ehlert bei einer Pressekonferenz im Februar 2010, in der er zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nimmt.Foto: dpa

Harald Ehlert ist zurück. Der umstrittene „Sozialunternehmer“ und Gesellschafter der Treberhilfe sagte neun Monate nach seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit dem Senat den Kampf an: „Ich stehe dafür ein, dass der Konflikt zwischen Harald Ehlert und Senatorin Carola Bluhm nicht auf dem Rücken derjenigen ausgetragen wird, die Hilfe brauchen“, sagte er am Dienstag. Der als Geschäftsführer wegen seines hohen Gehaltes, eines Maseratis mit Chauffeur als Dienstwagen und einer günstigen Wohnung in der firmeneigenen Villa umstrittene Ehlert ist noch als Gesellschafter an der Firma beteiligt.

Mit seinen Aussagen reagiert Ehlert auf die Streichung von Zuwendungen in Höhe von 700 000 Euro für die Straßensozialarbeit der Treberhilfe durch den Senat. Diese Maßnahme hatte Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) vor einigen Wochen verkündet. Die sechs Sozialarbeiter der Treberhilfe, die am Alexanderplatz und am Bahnhof Zoo erwachsene Obdachlose betreuen, haben bei der Einrichtung gekündigt. Sie führen ihre Arbeit bis Ende des Jahres weiter, sagten sie dem Tagesspiegel. Im kommenden Jahr hofften sie, ihre Arbeit bei einer anderen Einrichtung fortsetzen zu können.

Bei der Senatsverwaltung für Soziales bleibt man gelassen: „Da wird nichts auf dem Rücken der Obdachlosen ausgetragen, die Fortsetzung der Straßensozialarbeit ist gewährleistet“, sagte Sprecherin Anja Wollny. Die Treberhilfe sei seit Mai darüber informiert, dass man die zum Jahresende auslaufenden Zuwendungen in Zukunft nicht mehr gewähren werde. Wegen des „permanenten Wechsels in der Geschäftsführung“ der Einrichtung sei „kein verlässlicher Ansprechpartner“ vorhanden. Deshalb könne der Senat nicht die Verantwortung für Zuwendungen in Höhe von 700 000 Euro an die Treberhilfe übernehmen.

Ehlert will dennoch Widerspruch gegen den Ablehnungsbescheid des Senats einlegen. Dass ausgerechnet er diese Maßnahme verkündet, überrascht: Denn Ehlert hat seine Anteile an der Treberhilfe einem Treuhänder übertragen, der selbst nicht anwesend war. Auch der Geschäftsführer der Einrichtung saß nicht an der Seite des gesprächigen „stillen Gesellschafters“ der Treberhilfe. Ehlert hatte stattdessen einen Prokuristen mitgebracht, der erst seit September bei dem sozialen Betrieb beschäftigt ist. Spekuliert wird nun darüber, dass bald schon der fünfte neue Geschäftsführer innerhalb eines Jahres vorgestellt werden könnte, was Ehlert am Dienstag dementierte.

Ehlert zufolge wird die Treberhilfe die Straßensozialarbeit auch ohne öffentliche Zuwendungen fortsetzen. Man werde „das Eigenkapital der Gesellschaft aktivieren“, sagte Prokurist Andreas Hertzsprung. Die Treberhilfe wird fast ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanziert, konnte aber von diesem Geld Immobilien erwerben und hohe „Renditen“ erwirtschaften. Dies hatte eine Debatte über Mängel bei der Kontrolle der Verwendung öffentlicher Mittel durch soziale Einrichtungen ausgelöst.

Dem Vernehmen nach sollen die Sozialarbeiter, die bisher bei der Treberhilfe Wohnungslose betreut haben, bei der ebenfalls gemeinnützigen Einrichtung Gangway ihre Arbeit fortsetzen. Deren Mitarbeiter betreuten bisher in Not geratene Jugendliche und keine Erwachsene.

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