Ehrenamt : "Menschen tut es gut, mit anzupacken"

Sybille Volkholz, 65, ist Gründerin des Bürgernetzwerkes Bildung des VBKI. Sie fordert von Bürgern Engagement.

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Foto: Mike Wolff

Frau Volkholz, welchen Stellenwert hat bürgerschaftliches Engagement in Berlin?



Berlin liegt mit 19 Prozent engagierten Bürgern bundesweit auf dem letzten Platz. In dieser Stadt herrschte lange eine hohe Erwartung, dass in erster Linie der Senat und die Verwaltung für die Lösung gesellschaftlicher Probleme zuständig sind. Wir müssen uns aber fragen, was Bürger selbst schaffen können. Wir müssen auch lernen, Hilfe von anderen anzunehmen. Unser Projekt Lesepaten etwa wäre vor zehn Jahren so nicht möglich gewesen, weil die Schulen damals nur sehr zögerlich Dritte eingelassen haben. Zum Glück gibt es in Berlin seit einigen Jahren eine intensivere Debatte um bürgerschaftliches Engagement. Dies wird zwar noch häufig eher negativ begründet: Weil der Staat nicht mehr zahlt, müssen wir selbst aktiv werden. Dennoch tut sich etwas, und zwar im positiven Sinn.

Wer sind diejenigen, die etwas tun wollen?


Überwiegend engagieren sich ältere Menschen und Berufstätige. Es wachsen aber auch Jüngere nach. Jugendliche können sich gut in andere einfühlen. Wenn die ernst genommen werden und eine Aufgabe haben, wenn sich etwa Haupt- um Grundschüler auf dem Pausenhof kümmern, kann man auch sogenannte Risikojugendliche dazu bringen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Aus welchen Motiven engagieren sich Menschen ehrenamtlich?


Menschen, die gut gebildet sind und noch freie Zeit haben, möchten diese sinnvoll verbringen, aktiv bleiben und gebraucht werden. Viele wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Außerdem lernt man durch neue Tätigkeiten selbst auch immer etwas – das ist gerade bei Jüngeren ein Argument.

Was wird aus dem Ehrenamt in Berlin?

In zehn Jahren sollte es in dieser Stadt selbstverständlich sein, sich zwei Stunden in der Woche ehrenamtlich zu engagieren. Dinge anzupacken und nicht jammernd in der Ecke zu sitzen, tut Menschen gut. Passivität führt zu Unzufriedenheit, und diese Stimmung überträgt sich auf die Gesellschaft. Andererseits trägt es zu einer positiven Atmosphäre bei, wenn Menschen aktiv gestaltend an ihre Umwelt herangehen. Dass eine Stadt lebenswert ist, liegt auch am Gefühl des sozialen Zusammenhalts.

Das Interview führte Patricia Hecht

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