Ehrensache : „Ich brauche frische Luft“

Helmut Oehling, 67, aus Lichterfelde-West ist Gartenhelfer im Freilandlabor im Britzer Garten.

Valerie Schönian
NATURLIEBHABER. Helmut Oehling im Britzer Freilandlabor.
NATURLIEBHABER. Helmut Oehling im Britzer Freilandlabor.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

WAS ICH MACHE

Eigentlich wollte ich Förster werden. Aber als ich anfing zu studieren, fiel die Entscheidung doch rational: Chemie sollte es sein. Mehr als 30 Jahre lang habe ich als wissenschaftlicher Bibliothekar gearbeitet, zuletzt als Abteilungsleiter in der Universitätsbibliothek Stuttgart. Aber mit der Zeit merkt man, dass das Herz bei den Träumen und Wünschen aus der Kindheit stehen geblieben ist. Auch als ich berufstätig war, musste ich immer raus in die Natur. Einen eigenen Garten hatten wir nicht, also habe ich mit meinen drei Söhnen Radtouren gemacht. 2000 bin ich nach Berlin gekommen, ab 2006 arbeitete ich hier in Altersteilzeit, seit zwei Jahren bin ich vollständig pensioniert. Da tat sich die Frage auf: Was kann ich machen, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt? Das Entscheidende war für mich, an der frischen Luft zu sein und gleichzeitig etwas Konstruktives zu tun. So bin ich 2006 zum Freilandlabor Britz gekommen. Dort arbeite ich jetzt an zwei Tagen in der Woche im Garten und mache alles, was anfällt: Unkraut jäten, Obst und Gemüse ernten, Hochbeete bauen. Außerdem übernehmen wir Freiwilligen manchmal Besuchergruppen. Denen zeige ich dann, was alles im Komposthaufen lebt. Ich weiß gar nicht, warum ich in meinem Beruf am Schreibtisch gelandet bin: Ich war eigentlich immer ein Bewegungsmensch. Deswegen war es höchste Zeit, dass ich in Rente gegangen bin. Neben der Arbeit in Britz bin ich unter anderem als Schutzgebietsbeauftragter beim Naturschutzbund und arbeite als Freiwilliger in Nationalparks in der Umgebung. Auch sonst bin ich über das Jahr mal hier und mal da aktiv, so habe ich mit meiner Vegetariergruppe einen Infotisch am Umwelttag. Damit ich auch im Winter etwas zu tun habe, studiere ich an der FU Philosophie und lerne Spanisch an der Volkshochschule. Das ist das Schöne an Berlin: Es ist eine Großstadt mit vielen Angeboten und trotzdem ist man schnell in der Natur. Bei mir in Lichterfelde-West kommt mir sogar manchmal ein Fuchs entgegen.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Ehrenämter sind absolut notwendig – nicht nur für die, denen geholfen wird, sondern auch für die Helfer. Denn der Mensch braucht eine Aufgabe und kann nicht nur rumhängen. Ich hoffe, dass die Menschen ihre tollen Möglichkeiten entdecken, wie sie die Welt ein wenig verbessern können. Valerie Schönian

Freilandlabor Britz e.V., Sangerhauser Weg 1, 12349 Berlin; Tel. 703 30 20, E-Mail: Freilandlabor-Britz@t-online.de

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