Ehrensache : „Mehr Jobs für behinderte Menschen“

Christian Habl, 31, hat im Januar das „Netzwerk zur beruflichen Integration für Menschen mit Behinderung“ gegründet. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer die Arbeitssuche sein kann.

Tassilo Hummel
POLITISCH ENGAGIERT. Christian Habl vor dem Bundestag. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung habe nicht auf seine Schreiben geantwortet, sagt er.
POLITISCH ENGAGIERT. Christian Habl vor dem Bundestag. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung habe nicht auf seine...Foto: Kai-Uwe Heinrich

WAS ICH MACHE

Ich bin mit linksseitiger Hemiparese, einer Form der Spastik, auf die Welt gekommen und kann meine linke Hand nicht bewegen. In Bremen machte ich eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Seit einem Jahr bin ich arbeitslos. Die Arbeitgeber lassen mich abblitzen. Anfang des Jahres hat’s mir gereicht, ich wollte die Integration behinderter Menschen ins Arbeitsleben auf der gesellschaftlichen Ebene aktiv in die Hand nehmen. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern gründete ich das Netzwerk. Unser Ziel: Arbeitgeber, Fachleute und natürlich arbeitssuchende Menschen mit Behinderung zusammenbringen. Es geht darum, die Wirtschaft von ihren Vorurteilen und Bedenken gegen uns zu befreien. Ich will nicht mehr hören, dass Arbeitgeber mich nicht einstellen wollen, aus Sorge um meine Krankheitstage oder gar wegen des erhöhten Kündigungsschutzes. Für Menschen mit Behinderung ist ein Beruf keine Selbstverständlichkeit, deshalb arbeiten sie oft viel motivierter, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wir wollen die Leute ins Gespräch bringen, uns aber auch individuell um Arbeitssuchende als Beratung und Interessenvertretung kümmern.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Das Projekt steckt in den Kinderschuhen, ich wünsche mir viele engagierte Mitstreiter, die sich uns anschließen. In Berlin wollen wir wie schon in einigen Regionen einen Landesverband gründen. Die Hauptstadt bedeutet uns aber noch mehr: in den Führungsetagen Gehör zu finden. Schon dreimal habe ich dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung geschrieben und keine Rückmeldung erhalten. Doch ich kann sehr penetrant sein.

Netzwerk zur beruflichen Integration für Menschen mit Behinderung, www.netzwerk-berufliche-integration.de, E-Mail: christianhabl@nbimb.de.

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