Ehrensache : „Wir entfernen rechte Parolen – und nicht nur das“

Nico Schmolke macht auf rechte Strukturen in seinem Kiez aufmerksam. Dafür erhält er jetzt den Preis für Zivilcourage des Bezirks Treptow-Köpenick.

Elisa Kremerskothen
IM EINSATZ GEGEN NEONAZIS. Nico Schmolke, 21, Student aus Johannisthal.
IM EINSATZ GEGEN NEONAZIS. Nico Schmolke, 21, Student aus Johannisthal.Foto: Petra Konschak

WAS ICH MACHE

Auf den ersten Blick sehen wir wie Graffiti-Sprayer aus, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir entfernen rechte Schmierereien mit Drahtschwämmen und einer Lösung, die auch die BVG verwendet. Völlig legal ist das, und hier an dem Kasten in der Stubenrauch-, Ecke Springbornstraße in Johannisthal hatten wir sogar Polizeischutz. Anfang August wurde eine Fensterscheibe meines Wohnhauses eingeworfen. Doch ich lasse mich nicht einschüchtern. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, gegen Rechts aufzumucken. Ich habe das Jugendbündnis Uffmucken mitgegründet. Wir stehen für alternative Jugendkultur in Schöneweide und sehen uns als Gegen-Öffentlichkeit im Berliner Südosten. Wir wollen auch zuvor unpolitische Menschen erreichen und haben bislang sieben antifaschistische Kiezspaziergänge veranstaltet. Dabei entfernen wir zusammen mit Anwohnern rechtsradikale Sticker, Plakate und Schmierereien – wie bei der Aktion auf dem Foto. So machen wir auf die Verbreitung rechter Propaganda aufmerksam und sensibilisieren für Nazi-Symbolik. Zudem haben wir ein Protest-Picknick vor der NPD- Bundeszentrale organisiert, veranstalten Poetry Slams, Konzerte und Fahrradtouren. Und den Runden Tisch Johannisthal habe ich ins Leben gerufen. Auch hier engagiere ich mich gegen Rechts, lade Politiker ein und mache auf unser Nazi-Problem aufmerksam.

WAS ICH MIR WÜNSCHE

Ich hoffe auf eine verstärkte Unterstützung durch die Politik. Auch finanziell, weil wir Ehrenamtliche nicht alles leisten können. Und eine engere Zusammenarbeit von Schulen, Jugendeinrichtungen, Jugendamt und politischen Bündnissen. Ich wünsche mir außerdem, dass die Anwohner aufmerksamer sind. Denn der Alltagsrassismus ist das Fundament für die Rechten und bewirkt, dass manche Anwohner sagen, „lasst die mal machen, irgendwo haben sie schon recht“.

Mitmachaktion: Am 20. April gibt es einen Fahrradkorso zu den „Hotspots“ der Naziszene im Südosten Berlins, Treffpunkt: 15 Uhr U-Bahnhof Rudow.

Infos: www.uffmucken-schoeneweide.de

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