Berlin : Eigenwilliger Bürgermeister von einst auch heute ein Thema

Mal kassierte er Straßenzoll von sowjetischen Alliierten-Fahrzeugen an der Sektorengrenze, mal hob er in Kreuzberg im Alleingang die Preisbindung auf: Willy Kressmann alias "Texas-Willy" gilt als legendärer, aber auch umstrittenster Bezirksbürgermeister von Kreuzberg. Die Amtszeit des SPD-Politikers begann 1949 und endete 1962 - wegen Meinungsverschiedenheiten beim Umgang mit der DDR-Staatsführung wurde er von der eigenen Partei abgewählt.

Seinen Spitznamen erhielt Kressmann, nachdem er 1954 zum Ehrenbürger des US-Bundesstaats Texas ernannt worden war; die Bezeichnung passte aber auch gut zu seinen eigenwilligen Aktionen. In der Bevölkerung war er äußerst populär; er führte Sprechstunden und einen Kummerkasten am Rathaus ein, veranstaltete Kinderspeisungen und genoss das Bad in der Menge.

Nun planen das August-Bebel-Institut und das Kreuzberg-Museum für den 21. und 22. Januar ein Seminar über den ehemaligen Rathaus-Chef. Am ersten Tag sprechen nach einer Begrüßung durch den heutigen Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) die Historikerin Kerstin Kohtz, die seit rund einem Jahr den Nachlass Kressmanns aufarbeitet, und Dieter Hanauske von der Historischen Kommission. Die Referenten am zweiten Tag sind Professor Harold Hurwitz und Privatdozent Siegfried Heimann von der FU und der Pressesprecher des Bezirksamts, Stefan Krautschick. Nachmittags folgt eine Podiumsdiskussion. Als Ko-Referenten sind Zeitzeugen dabei, die Kressmann als Mitarbeiter oder Kollegen erlebt haben: Ex-Bürgermeister Günter König, der ehemalige Vize-Bürgermeister und Stadtrat Gerhard Schulze sowie der ehemalige Kreuzberger Pressesprecher und spätere Schöneberger Bürgermeister Alfred Gleitze. CD

Das Seminar "Berlin- und Kommunalpolitik während des Kalten Krieges am Beispiel des Kreuzberger Bezirksbürgermeisters Willy Kressmann (1949 bis 1962)" beginnt am 21. Januar um 15 Uhr und am 22. Januar um 9 Uhr im Kreuzberg-Museum, Adalbertstraße 95a. Die Teilnahme kostet 20 Mark, ermäßigt 10 Mark. Anmeldungen nehmen bis 7. Januar das Museum (Telefon: 2588 6233, Fax: 2588 6258) und das August-Bebel-Institut (Telefon: 469 21 22, Fax: 469 21 24) entgegen. Dabei sollte die Veranstaltungsnummer "T 02" genannt werden.

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