Berlin : Ein Berliner Filmclub für Bagdad

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Wer als Kinofan keine Filme sehen darf und, sofern er es doch tut, um sein Leben zu fürchten hat, müsste eigentlich seine Leidenschaft aufgeben. Umso mehr sind die irakischen Cineasten zu bewundern. Sie haben während der kulturfeindlichen Herrschaft Saddam Husseins wie auch während der täglichen Terroranschläge in ihrem Land immer versucht, über anspruchsvolles Kino auf dem Laufenden zu bleiben – indem sie Filmmagazine lasen. Bald sollen sie auch wieder bewegte Bilder auf der Leinwand bewundern können: Heute um 20 Uhr wird am Oststrand in Friedrichshain der „Filmclub BerlinBaghdad“ gegründet.

Wer dem Club beitreten will, muss 28 Euro bezahlen – und einen Film auf DVD mitbringen. Die Silberscheiben werden gesammelt in den Irak geschickt. Dort werden sie für die Kinofreunde des Landes in einer Filmothek zusammengefasst. Marie Steinmann und Klaas Glenewinkel hatten die Idee zu dem Kulturaufbauprojekt. „Auch in diesen harten Zeiten brauchen die Leute dort Kinokultur“, sagt die 29-jährige Steinmann. „Einige wollen sogar selbst Neues schaffen.“

So wie der Filmregisseur Oday Rasheed, der die Filmothek in der irakischen Hauptstadt betreuen wird. Der 31-Jährige hat gerade „Underexposure“, zu deutsch „Unterbelichtung“, gedreht – den ersten irakischen Spielfilm seit 14 Jahren. Der Inhalt des Films soll noch geheim bleiben. Mitten zwischen den Häusertrümmern von Bagdad hat er mit einer 20 Jahre alten Ausrüstung acht Monate lang gearbeitet. „Ich wusste die ganze Zeit nicht, ob die Kamera überhaupt funktioniert“, erzählt er. Erst nach dem Ende der Dreharbeiten konnte er die Filmrollen testen – und stellte fest: Der Film war im Kasten und fertig zum Schneiden.

Heute Abend wird Rasheed zusammen mit dem Regisseur und Club-Schirmherrn Tom Tykwer im „Filmclub Berlin-Baghdad“ plaudern. Bei der Club-Gründungsparty gibt es arabisches Essen und Livemusik, zum Beispiel von Joy Denalane. urs

Mehr Informationen im Internet:

www.filmclub-berlin-baghdad.de

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