Berlin : Ein Bürger im besten Sinne

Berlin ehrt Versandhaus-Chef Werner Otto mit Reuter-Plakette

Christine-Felice Röhrs

Als Werner Otto 17 Jahre alt war, wollte er noch Schriftsteller werden. Das Geschäft der Eltern in Prenzlau interessierte ihn damals nur mäßig. Dann aber ging der Laden Pleite, und der Junge, der bisher das Gymnasium besucht hatte, musste eine kaufmännische Lehre beginnen. Das war der erste Schritt auf dem Weg, der über ein Zigarrenlädchen in Berlin, eine Schuhfabrik in Hamburg, über einen ersten vierzehnseitigen Katalog mit selbstgeklebten Bildchen bis hin zum weltgrößten Versandhandel führen sollte – und in den großen Saal des Roten Rathauses. Dort wurde Werner Otto, 92 Jahre alt, am Freitag geehrt: Für seine Unterstützung vieler kultureller und sozialer Projekte überreichte ihm Klaus Wowereit mit der Ernst-Reuter-Plakette eine der höchsten Auszeichungen, die das Land Berlin zu vergeben hat. Berlin bedanke sich damit für ein bürgerschaftliches Engagement im besten Sinne, sagte Wowereit. Seit Ottos Rückkehr aus Hamburg in die Heimatregion hat er hier Millionenspenden verteilt – für das Schauspielhaus zum Beispiel, für die Restaurierung des Belvedere im Schlösserpark, auch für ein Haus für hörgeschädigte Kinder in Neukölln.

Etwa hundert Gäste blieben zum anschließenden Empfang, viele von ihnen persönliche Freunde der Ottos: Sandra und Gerhard Pabst zum Beispiel, Nachbarn in Grunewald – die Herren rauchen und die Damen rudern zusammen. Sabine Christiansen war da, John Kornblum auch. Und Jörg Schönbohm, brandenburgischer Innenminister, der den rüstigen alten Herrn des nachts mal in der Paris Bar kennen gelernt hatte. Derweil hielt der Fahrer der Ottos die Medaille fest unterm Arm. Die silberne Plakette mit dem aufgeprägten Gesicht des ersten Nachkriegsbürgermeisters der Stadt ist nämlich nicht wie ein Orden am Revers zu befestigen, sondern liegt in einer Schatulle. Zu Hause kommt sie laut Ehefrau Maren in die „besondere Vitrine“. „Da ist alles drin, was uns lieb ist“ – auch die Bastelarbeiten der Kinder.

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