Berlin : Ein bunter Zug für mehr Toleranz

Hunderttausende Teilnehmer und Zuschauer feierten am Sonnabend den 26. Christopher Street Day

Matthias Oloew

Er war seit Jahren nicht mehr beim Christopher Street Day, gestern hatte es Holger Klotzbach jedoch wieder geschafft: „Ich war vor 25 Jahren bei den ersten Demonstrationen dabei“, erzählt er, „und es freut mich, dass heute so viele Leute mitmachen.“ Der Chef der „Bar jeder Vernunft“ wünscht sich, dass mehr homosexuelle Politiker dem Beispiel von Klaus Wowereit folgen und sich outen: „Da gibt es ja noch den ein oder anderen.“ Dann geht er durch die Menge auf dem Kurfürstendamm und gibt Wowereit zur Begrüßung die Hand. Kurz zuvor hatte der Regierende Bürgermeister die 26. Berliner Demonstration zum Christopher Street Day eröffnet.

Zwischen 200000 und 300000 Teilnehmer und Zuschauer, schätzte die Polizei, 52 Wagen, teilweise mit wattstarken Musikanlagen, waren dabei, als der Zug sich unter dem Motto „Homokulturell, Multisexuell, Heterogen“ durch die Innenstadt zog. Zu den Forderungen zählten Nachbesserungen beim Lebenspartnerschaftsgesetz für Homosexuelle, sowie beim Arbeits- und Adoptionsrecht. Einige Teilnehmer erinnerten daran, dass der CSD in Berlin zwar eine große Spaßveranstaltung, in anderen Städten aber nicht selbstverständlich sei. So hatte der Bürgermeister von Warschau eine ähnliche Demonstration verboten.

„Wir sind noch sehr weit weg von einer vollen Akzeptanz“, sagt Olivia Jones, Star-Dragqueen. „Anfeindungen und Intoleranz gibt es immer noch.“ Ähnlich sieht es Wowereit. Deshalb sei es wichtig, „dass wir selbstbewusst und kämpferisch für unsere Rechte eintreten“.

Das taten in der Folge dann auch die Teilnehmer. Polizisten waren mit einem Wagen ebenso vertreten wie Feuerwehrleute, BVG-Mitarbeiter und S-Bahner. Die großen Partymacher der Szene hatten sich wieder DJs auf die Ladeflächen ihrer Lkw bestellt, und mit einem Tieflader machte der Verein „Games Berlin“ Reklame für die Bewerbung Berlin um das lesbisch-schwule Sportfest „Outgames“ im Jahr 2009.

Für die Berliner Politprominenz gehört ein Auftritt am CSD mittlerweile zum Pflichtprogramm. Von den Grünen waren der Rechtspolitiker Volker Beck, der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele und der Europa-Abgeordnete Michael Cramer dabei. FDP und PDS waren mit ihren Fraktionschefs Michael Lindner und Stefan Liebich vertreten und die Lesben und Schwulen in der CDU wollten am Schluss des Zuges mit ihrem Landesvorsitzenden Joachim Zeller und Ex-Finanzsenator Peter Kurth feiern. Dort trafen sie dann auf Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), die als Rednerin Verbesserungen beim Lebenspartnerschaftsgesetz. Zum Programm der anschließenden Show gehörten die Verleihung der Zivilcouragepreise und eine Show mit Programm bis Mitternacht auf der Bühne am Fuß der Siegessäule.

Neben dem großen Umzug gab es noch einen kleineren CSD in Kreuzberg. Rund 2000 Teilnehmer zogen in die Oranienstraße und feierten dort ebenfalls bis Mitternacht.

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