Berlin : Ein Ehrenplatz für Billy Wilder am Sunset Boulevard

Wowereit enthüllte Straßenschild Witwe wurde zu spät eingeladen

Gerd Nowakowski

Das Restaurant „El pollo locco“ („Das verrückte Huhn“) an der einen Ecke, Burger King an der anderen, gegenüber eine Tankstelle, dazwischen brausender Verkehr auf dem Sunset Boulevard und der LaBrea Avenue – aus diesem Schauplatz eine Geschichte zu zaubern, wäre selbst Billy Wilder schwer gefallen. Seit Mittwoch ist aus dieser Straßenkreuzung in Hollywood offiziell ein Platz geworden, der nach dem Regisseur benannt ist. Der Schöpfer von Filmen wie „Manche mögen’s heiß" oder „Eins, zwei, drei“ war am 27. März 2002 in Beverly Hills gestorben. Jetzt hängt die Tafel „Billy Wilder Square“ an einem Ampelmast, enthüllt vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Councilmember Tom LaBonge. Der kümmert sich auf zupackende Weise um die seit 35 Jahren bestehende Städtepartnerschaft Los Angeles - Berlin. Die schnelle Ehrung für den Altmeister des Films, der in Los Angeles lebte und an seiner Liebe zu Berlin festhielt, hat Stadtrat Tom LaBonge auf den Weg gebracht. Nur an geeigneten Plätzen fehlt es in Los Angeles. Wo jeder Flecken Erde wirtschaftlich verwertet werden, sind Plätze Luxus. Deswegen eine Straßenkreuzung.

Zumindest liege der neue Platz am Sunset Boulevard, sagt der deutsche Generalkonsul, Hans Wendler. Nicht mehr am berühmten Teil, der Sunset Strip heißt, aber immerhin. Einen Block entfernt liegt das Hollywood Entertainment Museum, wo gerade Marlene Dietrich mit einer Ausstellung geehrt wird, und das riesige Kodak-Theatre, wo die letztjährigen Oskar-Verleihung stattfand. Auch das berühmte Chinese Theatre finden sich hier.

Mit neun Dollar kam Wilder auf der Flucht vor den Nazis nach Hollywood, wo er sechs Oscars gewann. „Er verband den Berliner Witz mit dem Wiener Charme und der jüdischen Melancholie", sagt der Wilder-Freund Cornelius Schnauber. Er selbst kannte nur ein oberstes Gesetz für Filmemacher: „Du sollst nicht langweilen." Weiter im Westen, wo der Boulevard durch Beverly Hills führt, hatte er jahrzehntelang ein Büro. In einer der vornehmen Nebenstraßen direkt am Rodeo Drive arbeitete der fast 90-jährige Wilder noch an Skripts und neuen Ideen. Vor allem aber drehte Wilder 1950 den Film „Sunset Boulevard". Eine bitterböse Abrechnung mit Hollywood – über Menschen, die nach dem Ende des Stummfilms nicht mehr in die neue Zeit des Kinos passen. Nur eine Darstellerin von „Sunset Boulevard“ ist noch am Leben. Auf die Idee, Nancy Olsen einzuladen, kam niemand. Die Wilder-Witwe erfuhr erst kurz vorher durch einen Anruf von der Stadtverwaltung von der Ehrung – zu spät, um noch teilzunehmen. Und viel zu spät, um nicht verletzend zu wirken.

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