Berlin : Ein Festival für Neuberliner Führungskräfte

Alexander Visser

In Berlin leben 445000 Ausländer. Immer häufiger sind es internationale Karrieren, die Mitarbeiter von Firmen aus aller Welt in die deutsche Hauptstadt führen. Etwa 50000 ausländische Führungskräfte mit ihren Familien wohnen in und um Berlin. Damit die sich in der Region schnell einleben, veranstalten die Wirtschaftsförderungsgesellschaften von Berlin und Brandenburg das „Newcomers Festival“ für Neuberliner. „Ich rechne mit 3500 bis 4000 Besuchern“, sagte Organisator David Hart am Sonntagnachmittag im Roten Rathaus. Mehr als 60 Aussteller präsentierten dort ihre Angebote für Neuberliner: Kirchen, Gesundheitsdienste, internationale Clubs.

„Das Hauptproblem bei der Eingewöhnung ist selten die Bürokratie, es sind die kulturellen Klippen“, sagt Janet Gieram. Die Irin kam vor über 30 Jahren nach Berlin und bietet interkulturelle Einführungskurse, vor allem für die Ehefrauen ausländischer Führungskräfte. „Amerikanerinnen sind oft schockiert, wenn sie im Laden nicht höflich bedient werden“, sagt Gieram. Sie erklärt ihnen dann, dass die Verkäuferinnen nicht nur zu ihnen unfreundlich sind, sondern dass das normaler Berliner Umgangston ist.

Nick Gay arbeitete für eine Immobilienfirma in Berlin. Als die sich Mitte der Neunzigerjahre zurückzog, suchten er und seine Frau Serena nach einer neuen Existenz in ihrer neuen Heimatstadt. Sie entdeckten eine Marktlücke: „Es gab zwar viele Stadtrundgänge, aber kaum auf Englisch“, erzählt Serena Gay. „Das haben wir geändert.“ Heute bieten die beiden Briten sechs Standardtouren plus individuelle Rundgänge für Neuberliner. „Die interessieren sich vor allem für Einkaufsmöglichkeiten und Kulturangebote“, sagt Gay.

Soonha Shin lernte Georg Brunner in Seoul kennen. Sie trafen sich im englischsprachigen Toastmasters Club, einem internationalen Rhetorik-Verein, in dem die freie Rede gepflegt wird. Brunners Arbeitgeber holte ihn zurück nach Deutschland. Soonha Shin fand einen Job bei einem koreanischen TV-Hersteller mit deutscher Niederlassung. Jetzt heißen beide Brunner und engagieren sich bei den Berliner Toastmasters, die mit einem Stand auf dem Festival neue Mitglieder gewinnen wollen. „Bei den Toastmasters kann man leicht neue Leute kennen lernen“, sagt Soonha. „Wir sind der Beweis“, fügt Georg hinzu.

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