Berlin : Ein Hauch von Elbchaussee am Tiergarten

Zwischen Reichpietschufer und Tiergartenstraße entstehen bis Ende nächsten Jahres zehn luxuriöse Stadtvillen und Botschafen – der „Diplomatenpark“

Richtig fein wird das Wohnen am Tiergartenrand: Mit dem Bauprojekt „Diplomatenpark“ zwischen Reichpietschufer, Köbis- und Tiergartenstraße soll in Kürze begonnen werden. Bis Ende 2009 entstehen zehn komfortable Stadtvillen, jede mit Tiefgarage, mit Portier und dezenter Videoüberwachung. Dazu werden zwei Botschaften am Landwehrkanal gebaut, die für die Wohnungen wie ein Schallschutz wirken. In eine soll Indonesien einziehen, für die andere sind Verträge noch nicht unterzeichnet.

Größter Bauherr auf dem Gelände ist der Projektentwickler Klaus Groth, der vor 25 Jahren das Projekt Rauchstraße für die Internationale Bauausstellung verwirklichte, dann das benachbarte Tiergarten-Dreieck und das Köbis-Dreieck entwickelte. Mit den Partnern Reggeborgh und Kondor Wessels will er jetzt für insgesamt 42,5 Millionen Euro sechs Häuser mit 67 Wohnungen errichten.

Vier Stadtvillen mit 32 Wohnungen baut der Projektentwickler Diamona & Harnisch, investiert in das Vorhaben einer Mitteilung zufolge 35,5 Millionen Euro. Die Verkaufspreise der Luxuswohnungen liegen pro Quadratmeter nach Angaben der Bauherren zwischen 4500 und 7000 Euro, teilweise wird mit Spitzenwerten von 9500 Euro gerechnet.

Groth teilte mit, vor dem Start der Bauarbeiten seien schon 50 Prozent seiner Villen verkauft, die „ein bisschen nach Hamburger Elbchaussee aussehen“. Beteiligt sind die Architektenbüros Thomas Baumann, Hilmer + Sattler und Albrecht, Kahlfeldt, Kollhoff, Lederer Ragnarsdóttir Oei und Thomas von Thaden.

Der Bauherr stellte das Projekt gestern mit dem früheren Senatsbaudirektor Hans Stimmann vor. Der erinnerte an die „bürgerliche“ Tradition des nach dem Krieg brachliegenden Viertels, an die Bauherr Groth vor Jahren mit dem Typus der „Stadtvillen“ angeknüpft habe. Die geplanten Wohnhäuser seien „nicht für die sozial Schwächsten“ konzipiert, man müsse aber alles tun, um die Wohlhabenden in der Innenstadt zu halten, auch sie seien Teil der sozialen Mischung. André Adami von der Beratungsfirma Bulwien Cesa verwies auf die große Nachfrage nach Wohnungen im „Premiumbereich“, viele Käufer stammten aus dem Ausland, etwa aus Skandinavien, Großbritannien, den Niederlanden, Irland oder auch Israel. Er rechne weiter mit großem Interesse der nach Berlin ziehenden finanzkräftigen Elite, auch mit steigenden Preisen, „aber Toplagen werden knapp“.

An eine Toplage für Wohnungen war hier vor der Wende nicht zu denken, das Brachland am Canisiuskolleg war mit dem späteren Köbis-Dreieck als Standort für ein Arbeitsamt im Gespräch. Hans Stimmann und Kristina Laduch vom Stadtplanungsamt Mitte erinnerten an die vor zehn Jahren verworfenen Planungen für eine Grünfläche, entwickelt aus der „Spontanvegetation“ der Nachkriegszeit. Sie war als Erweiterungsfläche des Tiergartens gedacht und hatte schon einen Namen: „Diplomatenpark“.C. v. L.

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