Berlin : Ein heißer Job

Wilfried Gräfling ist neuer Feuerwehrchef Mehr Personal oder mehr Geld bekommt er nicht

Jörn Hasselmann

Berlin hat einen neuen Feuerwehrchef. Gestern Nachmittag erhielt Wilfried Gräfling von Innensenator Ehrhart Körting die Ernennungsurkunde. Gräfling ist seit 1983 bei der Berliner Feuerwehr, seit 2001 war er Vizechef und seit dem Weggang von Albrecht Broemme kommissarischer Landesbranddirektor. Der 51-Jährige weiß, was jetzt vor allem auf ihn zukommt. Er muss in den nächsten Monaten dafür sorgen, dass die neue EU-Arbeitszeitrichtlinie bei der Feuerwehr erfüllt wird – und zugleich der Bevölkerung die Sorge nehmen, dass es deshalb weniger Sicherheit in der Stadt geben wird.

Denn Körting stellte gestern noch einmal klar: Auf mehr Geld oder mehr Personal darf der neue Chef nicht hoffen. Dass die 3500 Feuerwehrleute ab 2007 nur noch 48 statt wie bisher 55 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, „müssen wir durch kluge Umstrukturierung auszugleichen versuchen“, sagte Körting. Klar ist bislang nur, dass vor allem nachts weniger Autos und Personal eingesetzt werden sollen. „Wir haben nachts definitiv weniger Einsätze“, begründete dies Gräfling. Ungewiss ist aber noch, ob „wir mit dem Personal hinkommen oder nicht“.

Die Ergebnisse der Computersimulation sollen Ende November vorliegen. Mit dem Computer wird errechnet, ob der Rettungswagen auch künftig in den vorgeschriebenen acht Minuten beim Patienten eintreffen kann. Pünktlich könne die EU-Richtlinie nicht umgesetzt werden, Gräfling rechnet mit dem zweiten Quartal 2007. Wenn ein Mitarbeiter die 48 Stunden einklage, werde er umgesetzt.

Vor allem die Gewerkschaft ist in Sorge, dass die Sicherheit nachts ohne mehr Personal nicht mehr gewährleistet sein könnte. Gerade Großbrände brächen meist nachts aus. Im September hatte die auch für die Feuerwehr zuständige Gewerkschaft der Polizei 50 000 Protestunterschriften gegen Einsparungen an die Landesregierung übergeben. Unterdessen prüft der neue Senat, ob die EU-Regelung bei der Feuerwehr überhaupt eingeführt werden muss. In der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und PDS heißt es, dass „politische Initiativen auf nationaler und europäischer Ebene unterstützt werden“, mit dem Ziel, die Feuerwehr auszuklammern. Gegenüber dem Tagesspiegel kündigte Gräfling an, ab 2007 Krankentransporte verstärkt von Privatunternehmen fahren zu lassen. „Was nicht Notfallrettung ist, wollen wir den Privaten übertragen“, sagte Gräfling. Auch so soll die Belastung gesenkt werden.

Große Bewährungsproben hat Gräfling bereits hinter sich. So hatte er den Einsatz zur Fußball-WM organisiert und, wenige Wochen nach dem überraschenden Wechsel Broemmes zum Technischen Hilfswerk, auch den nach dem Amoklauf am Hauptbahnhof mit Dutzenden Verletzten. Ebenso hatte Gräfling die Einsätze bei zwei der spektakulärsten Großbrände der letzten zehn Jahre geleitet, weil Vorgänger Broemme im Urlaub war: im U-Bahnhof Deutsche Oper (2002) und im Anhalter Bahnhof, wo 2003 ein Zug ausbrannte.

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