Berlin : Ein Herr für die Legende

Thomas Klippstein hat die Leitung des Hotels Adlon übernommen. Schon jetzt macht er sich Gedanken, wie er das Jubiläum des Hauses feiert

Lothar Heinke

Wenn seine Frau etwas anderes erleben wollte als das ewige Rauschen von Wald und Meer, dann sagte er: Komm, wir fahren nach Berlin! Restaurants, Theater, Loslaufen, Sich-treiben-Lassen – Berlin bot für die beiden viele Überraschungen und war stets eine große Abwechslung. Nun kann er das immer und im Überfluss haben: Thomas Klippstein, bisher Direktor vom Kempinski Grand Hotel Heiligendamm, ist Unter den Linden vor Anker gegangen und dirigiert auf der Kommandobrücke einen Luxusliner der Berliner Hotellerie, das Adlon am Pariser Platz.

Der 43-Jährige gibt sich weltmännisch und ganz Gentleman-like. Er kann auf langjährige Erfahrungen im Hotelbereich verweisen: In Dresden managte er 1993 die Eröffnungsphase des Taschenbergpalais, dann folgten Hotels in Bangkok, St. Petersburg, Istanbul und Gravenbruch bei Frankfurt/Main. 2002 tauchte der Mann mit dem für sein Alter ungewöhnlich silbergrauen Haar („hat mir mein Großvater vererbt“) im Adlon auf, „hier in Berlin war die Geburtsstätte des Grand Hotels Heiligendamm, denn mit der Hilfe vom damaligen Adlon-Chef Gianni van Daalen (der jetzt das Moskauer Baltschug leitet) haben wir das Haus im traditionsreichen Ostseebad auf die Beine gebracht, Mitarbeiter eingestellt und von alten Adlonianern gelernt – irgendwie ähneln sich ja die Gäste beider Häuser“. Und auch der Investor ist identisch: Anno August Jagdfeld, Chef der Fundus-Gruppe, der das Wagnis einging, im ältesten deutschen Ostseebad, in Heiligendamm bei Bad Doberan, ein Luxushotel zu bauen. Das funktionierte, „es war vom ersten Tag an ein erfolgreiches Modell, das jetzt in die zweite Stufe geht – mit dem Ausbau der Villen am Strand und einem neuen Thalassozentrum direkt am frischen Meer“.

Die Ostsee ist Thomas Klippsteins bestens vertraute Heimat. In Rostock geboren, begann er 1978 im „Neptun“ in Warnemünde seine Karriere von der Pieke auf, blieb dem schon zu DDR-Zeiten begehrenswerten schicken Urlaubshotel zehn Jahre treu und wechselte 1988 ins heutige Dresdner Hilton, von wo er als Projektmanager in Kempinskis Taschenberg-Palais ging.

Nun also Berlin, in die 98 Jahre alte Legende am Pariser Platz, die manche zunächst nur wegen des schönen Namens beehren: „Wenn Berlin – dann Adlon.“ Aber der Name ist eine große Verpflichtung für jeden der 400 Mitarbeiter.

Der Direktor wird fast ein wenig verlegen, wenn man ihn fragt, was er in seiner neuen Wirkungsstätte – in der er übrigens auch wohnt, bis seine Frau und der zweijährige Sohn Richard Ende Juli nach Berlin kommen – zu verändern gedenkt. „Ich hatte immer viel Respekt vor denen, die die hohe Qualität des Service in diesem Hause garantieren“, sagt Klippstein, „den Standard müssen wir halten – in einem offenen Haus und einer gastlichen Stätte für jeden, der bei uns einkehren möchte.“ Der Gast kommt in dieses Hotel mit einer großen Erwartungshaltung, „die versuchen wir zu erfüllen oder, besser noch, zu übertreffen.“ Das gilt für jeden, auch und gerade für jene, denen in der Halle des Hauses Jugenderinnerungen Tränen in die Augen treiben. Zum Beispiel Gästen aus den Vereinigten Staaten, die übrigens nun wieder in größerer Zahl nach Berlin kommen, den Direktflügen nach New York sei Dank.

Nirgendwo sonst könne man, sagt der Direktor stolz, so vielen besonderen Menschen und prominenten Gesichtern aus Politik, Sport, Wirtschaft und Kultur begegnen wie in der Adlon-Halle rund um den plätschernden Elefantenbrunnen. Seit der Name Four Seasons am Gendarmenmarkt verschwunden ist, ziehe es die Stars und Sternchen ins Adlon, wo man für 340 bis 8500 Euro eine Nacht lang im Besonderen schwelgen kann. Dem Preiskampf im hauptstädtischen Hotelgewerbe setzt das Traditionshaus das Motto „Qualität hat Priorität“ entgegen, Luxus, Leistung und Schönheit haben eh ihren Preis, und Adlon verpflichtet.

Schon heute denken sie darüber nach, wie die Feiern zum 100. Adlon-Geburtstag über die Bühne gehen sollen. Das Jubiläum anno 2007 fällt mit einem anderen Ereignis zusammen, an dem Thomas Klippstein eine große Aktie hat: Im Frühjahr 2007 treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G-8-Länder an der Ostsee – im Grand Hotel Heiligendamm.

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