Ein Herrchen in Berlin : Von Hundefischen und Flirtstöckchen

Unser Kolumnist Helmut Schümann berichtet regelmäßig über seinen Retriever-Welpen Wilmer. Diesmal über die Nähe der Menschen durch Hunde und Wilmers neue Flamme.

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Foto: Jörg Carstensen/ DPA

Wilmers neue Flamme heißt Fanni. Eine lupenreine Mischline. Soll er doch, denkt der Welpenassistent. Die Leute fragen schon, wie es Wilmer geht. Es geht ihm gut. Er macht jetzt auf Rüde, obwohl er kalendarisch noch nicht so weit ist. Gott ja, die Welpen fangen auch immer früher an, da unterscheiden sie sich nicht von den Vorpubertisten mit nur zwei Beinen. Wenn Wilmer könnte, wie er wollte, würde er Fanni wohl am Schlachtensee ausführen, erst wilde Wasserspiele, dann Romantik am Ufer mit Sonnenuntergang, und wahrscheinlich würde er ihr danach auch den Großen Wagen am Firmament zeigen wollen. Aber daraus wird ja wohl nichts mehr, jetzt, da der Schlachtensee für libertinöse Golden Retriever mit Hang zum schmachtenden Blick geschlossen wird.

Ob die Leute eigentlich wissen, was sie den Hunden, nicht nur den Retrievern, da eigentlich antun? Und nicht nur den Hunden. Wilmer ist genetisch eigentlich mehr Fisch als Hund, so sehr treibt es ihn ins Wasser. Das wird er auch ohne den Schlachtensee schon finden, notfalls als Schlamm. Aber das ist nur das Problem des Assis, der anschließend, also nach dem Schlammbad, erst Wilmer, dann sich, dann den Fahrradanhänger oder das Auto vom Schlamm befreien muss. Notgedrungen auch Dr. Frauchen.

Hundehasser und Hundenazis

Ob die Leute, die Hunde für Nazis halten, wie kürzlich geschehen, weil die Hunde nach Stöckchen springen, die man ihnen hinwirft und dabei Verursacher und Mitläufer verwechseln, aber das ist jetzt zu kompliziert, das verstehen diese Komiker ohnehin nicht, ob also diese Hundehasser mal darüber nachdenken? Oder darüber, was Hunde in dieser Stadt auch bewirken? Berlin ist die Hauptstadt der Hunde. Keine Frage. Berlin ist auch die Hauptstadt der Singles. Auch keine Frage. Der Assi kann nicht klagen, will auch nicht klagen. Aber er trifft, seitdem er mit Wilmer durch die Straßen der Stadt zieht, immer wieder auf Menschen mit Hunden.

Hunde als Speedkontakter im Dschungel der Großstadt

Erst beschnuppern sich die Hunde, dann beschnuppern sich die Menschen zu den Hunden. Man kann sagen, dass Hunde so etwas wie Speedkontakter im Dschungel der Großstadt sind. Manchmal sogar Heiratsvermittler, wie in dem Fall, der dem Assi dieser Tage erzählt wurde. Dem Fall von Herrn Hundehalter und Frau Hundehalterin, die sich über die Hunde kennenlernten und nun als Ehepaar Hundehalter mit ihren Hunden durch die Stadt ziehen. Aber natürlich nicht am Schlachtensee. Den hält Wilmer noch zwei Tage mit schmachtendem Blick und Fanni besetzt. Es sei denn, die Liebe siegt.

Unser Kolumnist Helmut Schümann schreibt regelmäßig über sein Leben in Berlin mit seinem Hund Wilmer. All seine Erlebnisse zum Nachlesen

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