Ein Jahr nach dem Raub : Mützenverbot beim Pokerturnier

Ein Jahr nach dem Raub wird wieder gespielt

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Keine Sonnenbrillen, keine Kappen – die Veranstalter des Pokerturniers haben die Regeln verschärft. Ein Jahr nach dem spektakulären Überfall im Hotel Grand Hyatt beginnt am heutigen Montagabend die 2011er Auflage. Wichtigster Punkt bei der Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen:  Die 800 Spieler treffen sich bis kommenden Sonntag auf der anderen Straßenseite, in der Spielbank Berlin. Diese hat schusssichere Scheiben an den Kassen und vor allem Tresore. Anfang März 2010 waren vier maskierte Männer ins Hyatt gestürmt und hatten 242 000 Euro in bar erbeutet; das Geld lag recht offen da. Die vier Araber wurden wenig später gefasst und sind mittlerweile verurteilt. Das Geld blieb verschwunden, der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Drahtzieher läuft noch.

Erleichtert wurde der Coup durch hanebüchene Sicherheitslücken. Jeder Spieler muss einen hohen Einsatz von durchschnittlich 5000 Euro in bar einzahlen. Doch das Geld wurde nur alle paar Stunden in den Tresor der Spielbank gebracht, teilweise lagen hohe sechsstellige Summen an der Spieleranmeldung herum. Tatsächlich hatten die Täter in ihrer Mischung aus Dilettantismus und Dreistigkeit sich in einem Handgemenge mehrere hunderttausend Euro von einem nervenstarken Hotelangestellten gleich wieder abnehmen lassen. Angesichts von vier Millionen Euro Startgeld redeten die Veranstalter die geraubte Summe als „geringe Geldmenge“ klein.

Doch schon am Tag nach dem Überfall verschärfte die „European Poker Tour“ (EPT) die Sicherheit und verlegte die Einzahlung in die Spielbank. Dort finden jedoch nur 800 Spieler Platz. Dem Vernehmen nach war die EPT 2010 deshalb ins Hyatt gezogen, weil dort Raum für 950 Menschen war. Den Überfall hatten Kriminalisten anschließend so gewürdigt: „Nische gesucht und gefunden“. Denn so große Mengen Bargeld seien sonst nirgends mehr zu erbeuten, da Banken und Supermärkte ihre Sicherheitsvorkehrungen schon vor langem drastisch verschärft haben. Verglichen wurde der Pokerraub mit dem Überfall auf eine Zwangsversteigerung im Amtsgericht Schöneberg 2005. Die nie gefassten Täter hatten 128 000 Euro kassiert, die ungesichert herumlagen. Anschließend schaffte die Justiz die Bargeldpflicht in Immobilienversteigerungen ab.

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