Berlin : Ein Känguru unterm Hammer

Das Naturkundemuseum sucht Paten jetzt per Internet-Auktion. Spendenaktion brachte schon 215000 Euro

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Etwas mehr Ertrag hätte sich der Anbieter des Artikels Nr. 3292009267 schon erhofft. Mehr als jene 223 Euro, die ein Privatmann bei der InternetAuktionsplattform Ebay dafür geboten hat. Der Artikel ist ein ausgestopftes Riesenkänguru. Und der Anbieter ist das Naturkundemuseum, das seine Objekte jetzt auch bei Ebay versteigert. Genauer gesagt: die Patenschaft für die Exponate.

Seit Mitte Februar schon sucht das Museum Paten für seine Tier- und Pflanzensammlung, die weltweit zu den bedeutendsten zählt. So sollen Mittel für die nötige Sanierung des Gebäudes an der Invalidenstraße aufgebracht werden. Rund 215000 Euro sind schon zusammen.

„Sicher hätten wir uns für das Känguru höhere Gebote gewünscht. Es ist ein sehr wertvolles Stück“, sagt Museumssprecherin Anke Michaelis. Mit der bisherigen Resonanz auf die Aktion sei sie aber „sehr zufrieden“. Etwa 1400 Paten zahlten zwischen 20 und 2000 Euro. Einen Mindestbetrag, den sich das Museum durch die Spenden erhoffe, gebe es nicht. „Wir sind über jeden Euro froh, den wir bis zum September bekommen.“ So lange soll die Aktion noch laufen.“

Das Museum hat einen Jahresetat von acht Millionen Euro. „Damit“, so Michaelis, „können wir nicht einmal die Kriegsschäden am Gebäude beheben.“ Insgesamt seien Sanierungsmittel von 110 Millionen Euro nötig. Bis 2007 soll wenigstens der öffentliche Teil des Hauses renoviert werden. Dazu stehen 17,6 Millionen Euro aus Lottomitteln zur Verfügung – und die Patenschafts-Gelder.

Das Naturkundemuseum will sich jetzt verstärkt an Unternehmen wenden. Eine entsprechende Kampagne sei geplant. Die bisher höchste Patenschaft gab es für den Urvogel Archaeopteryx, der seit mehr als 100 Jahren im Besitz des Museums ist. Für das berühmte Fossil gab der Berliner Unternehmer Hans Wall 80000 Euro. Auch die Kosten der aufwändigen Werbung für die Paten-Aktion haben Firmen übernommen. Von kostenlos organisierten Plakatwänden grüßen prominente Paten: Klaus Wowereit mit Wombat „Wowi“, Sänger Max Raabe mit Gorilla „Bobby“. mne

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