Berlin : Ein Lied für Berlin

Bisher hatten die Hauptstadt und der Grand-Prix nichts miteinander zu tun. Das wird jetzt anders. Am 19. März startet die deutscher Vorausscheidung in der Arena

Matthias Oloew

Bislang war es eine Domäne von Nicole, Michelle oder Corinna May. Mit dem bekannten Erfolg. Künftig soll es ein Platz für Sänger werden, deren Videos bei Viva laufen. Nicole, Michelle oder Corinna May gehören nicht dazu. Die Rede ist von „Eurovision Song Contest“, oder dem Schlager-Grand- Prix, wie er landauf landab heißt. Der Norddeutsche Rundfunk, der die Show für die ARD betreut, hat dem Sangesspektakel für dieses Jahr eine Verjüngungskur verordnet. Und mit dieser Kur kommt Berlin ins Spiel. Austragungsstätte der deutschen Vorausscheidung wird die Arena in Treptow sein. Termin ist der 19. März, der Vorverkauf (die Ticketpreise stehen noch nicht fest) soll in der nächsten Woche beginnen.

Es ist das erste Mal, das eine Grand-Prix- Show in Berlin stattfindet. Bislang war das immer an das Sendegebiet der betreuenden ARD-Anstalt gekoppelt. Also richtete der NDR seine Shows zum Beispiel in Hannover oder Kiel aus. „Die Sendung wollen wir neu konzipieren“, sagt NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer dem Tagesspiegel, „neue Ausrichtung, neue Stars, neuer Look, damit musste auch ein neuer Ort her.“ Etwas unverbrauchtes sollte es sein. Eine Halle, die schon von ihrem Ambiente und ihrer Geschichte nichts mit dem Schlager-Business zu tun hat. Da kam Berlin und die Arena in Treptow gerade recht. In der denkmalgeschützten ehemaligen Bushalle am Spree-Ufer singt zum Beispiel Udo Lindenberg, rezitieren Schauspieler aus den „Vagina-Monologen“. Kurzum ein Ort, wie geschaffen für den Neuanfang des deutschen Grand Prix.

Das findet nicht nur Meier-Beer, sondern auch Gerd Gebhardt. Er ist Chef der Deutschen Phono-Akademie, einer Dachorganisation der deutschen Musikbranche. Zusammen mit seinem Büro , das außerdem jedes Jahr den Musikpreis „Echo“ verleiht, ist Gebhardt in vergangenen Jahr nach Berlin gezogen. Den Rückhalt der Musikbranche zu haben, ist für NDR-Mann Meier-Beer ganz wichtig. Denn nur die Plattenfirmen entscheiden schließlich, wer würdig ist, für Deutschland zu singen.

Ausschlaggebend ist ab sofort nicht, ob ein Produzent gerne mal mitmachen möchte oder nicht verprellt werden darf (etwa Dieter Bohlen oder Ralph Siegel) oder ob eine Newcomer ein Sprungbrett braucht, sondern, so Meier-Beer, „ob sich der Song international vermarkten lässt“. Schon deshalb hat der Schlager schlechte Karten. Deshalb müssen künftig die Songs die Hürde Viva nehmen. Nur wessen Video bei den Zuschauern des Musikkanals ankommt, hat eine Chance, bei der deutschen Vorausauswahl mitzumachen – und bei der Entscheidung am 15. Mai in Istanbul dabei zu sein.

In diesem Jahr ist zum Beispiel Sabrina Setlur dabei, aber auch Scooter, Laith Al-Deen, Overground und Wonderwall, und als Berliner Bonbon auch Mia. „Wir wollen uns mit diesem Konzept auch stärker von den Casting-Shows absetzen“, erklärt Meier-Beer weiter. Stars, die sich schon profiliert haben, sollen mitmachen, nicht solche, die noch Stars werden wollen. Das macht inzwischen RTL mit den „Superstars“ – viel erfolgreicher, zumindest, was die Quoten angeht.

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