Berlin : Ein Mann für alle Felle

Terrier Mac und unser Kolumnist Roger Boyes hatten einen Termin im Hundesalon von Udo Walz

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It’s a dog’s life – es ist ein Hundeleben, sagen die Engländer und meinen damit ein Leben in den Hundeleinen der Gesellschaft. Dabei ist das Hundeleben halb so schlimm. Du (Hund) schläfst viel, musst dir dein Essen nicht verdienen; du schnüffelst an Frauen, du liest die Post und frisst den Briefträger. Doch dann ist da noch der Hundefriseur. Eine Tortur. Am Ende ist dein Fell geschoren, du riechst seltsam und – keine Hündin würdigt dich mehr eines Blickes, denn das weibliche Geschlecht steht eher auf wilden Look.

Udo Walz, der mit Sicherheit alle Geheimnisse der eleganten Berliner Damenwelt kennt, ist mit seinen Scheren auf den Hund gekommen. Sein Hundesalon Sparks wurde bereits im Dezember eröffnet, aber das Bad – mit Fliesen aus Schiefer – ist neu. Erst jetzt lässt sich der wahre VorherNachher Effekt bestaunen; waschen, schneiden, föhnen sind die Standard-Behandlungen in jedem stinknormalen Hundesalon. Die Walz- Methode – ein Exportprodukt aus dem benachbarten Salon in die Hände von Hundefriseur Frank Reinhardt – besteht darin, sanft mit dem Kunden zu sprechen. „Ich versuche, meine Stimme nicht zu sehr zu heben, damit die Hunde ruhig bleiben“, sagt Reinhardt, der seit 15 Jahren Hundehaare schneidet. Eine vollkommen neue Herangehensweise.

Mein 11 Jahre alter West Highland Terrier „Mac“ hat in seinem Leben schon viel erlebt. Was er nicht kannte, war eine Untersuchung der Drüsen an seinem Hinterteil, eine Pfoten-Maniküre, eine Zahnstein-Untersuchung. Das Shampoo ist für empfindliche, ältere Haut; später wird eine Nerzöl-Körperlotion in sein alterndes Fell gerieben. „Es macht keinen Sinn, dem Hund eine Schönheitskur zu verpassen, wenn er völlig verdorbene Zähne hat“, sagt Herr Reinhardt und warnt mich, dass er uns an den Tierarzt überweisen wird, wenn er Schäden entdeckt. „Wir tragen eine Verantwortung für den Hund“, sagt er.

Wenn es absolut notwendig ist, färbt man im Salon die Hundehaare, um graue Stellen zu verdecken. Was Mac stattdessen braucht, ist eine Fettabsaugung, aber Udo Walz ist kein Pionier der plastischen Hunde-Chirurgie. Mir wächst ein leiser Zweifel, als eine andere Kundin nach einem „Miami-Schnitt“ für ihren Pudel fragt. Das klingt ein wenig nach Face-Lifting. Aber nein: Gemeint sind nur Pompons an den Beinen, eine Pudel-Spezialität. Der Hunde-Kult hat Berlin erreicht. Manchmal fragt man sich, wieso es eigentlich noch keine Hunde-Bunte oder Hunde-Borchardt gibt.

Was Mac angeht: Mit seinem Friseurbesuch für 50 Euro hat er seine Winterdepression abgelegt. Als er nach Hause kommt, rollt er sich zuerst vergnügt in einem Schlammloch in unserem Garten.

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