Berlin : Ein Platz für 110 Kilometer Dokumente

Im März 2009 soll das Magazin des Bundesarchivs in Lichterfelde fertig sein

Matthias Oloew

Erst war hier eine preußische Kadettenanstalt untergebracht, dann die „Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Nach der Kapitulation des „Dritten Reichs“ zog die amerikanische Besatzungsmacht in die Gebäude an der Finckensteinallee. Sie räumte die „Andrews Barracks“ nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Seither sind hier wertvolle Archivalien aus der jüngeren deutschen Geschichte gelagert. Seit gestern weht die Richtkrone über dem Neubau für das Magazin des Bundesarchivs in Lichterfelde.

Es ist zwar einer von neun Standorten des Archivs im Bundesgebiet, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), aber der wichtigste. Die meisten Nutzer verzeichnet das Archiv (die meisten Akten sind für jedermann einsehbar) in Berlin, und so rechtfertigt Neumann, dass der Bund am Standort Lichterfelde knapp 50 Millionen Euro für einen Neubau und die Sanierung zweier Altbauten ausgibt.

Der Neubau liegt versteckt hinter zwei denkmalgeschützten Klinkergebäuden, und doch soll er nicht nur das Herz des Ensembles, sondern auch den Haupteingang des Bundesarchivs bilden. Architekt Stephan Braunfels wollte vermeiden, dass der ehemalige Haupteingang der Leibstandarte auch der für das Bundesarchiv wird, und will den in der NS-Zeit errichteten Altbauten nur eine Nebenrolle zukommen lassen.

Das deckt sich auch mit der Nutzung der Gebäude. Mit dem Neubau erhält das Archiv ein Magazin, in das 110 laufende Kilometer Akten passen. Außerdem einen Empfangsbereich, einen Kino- und Vortragssaal und einen Lesesaal. Übergangsweise ist der Lesesaal in der „Andrews Chapel“ untergebracht, die die Amerikaner bauten. Die Einrichtung des Lesesaals stammt vom ehemaligen Institut für Marxismus-Leninismus des ZK der SED.

Mit knapp 25 Millionen Euro werde der Neubau etwa zehn Prozent teurer als zunächst veranschlagt, erklärte Engelbert Lütke-Daldrup, Staatssekretär im Bundesbauministerium. Schuld daran seien die gestiegenen Bau- und Materialkosten. Sein Ministerium hatte vor zwei Wochen in einem Bericht für den Bundestag darauf hingewiesen, dass auch weitere Bundesbauten teurer werden könnten.

Den Großteil des 17 000 Quadratmeter großen Gebäudes nehmen die fensterlosen Magazinräume ein, in denen das Archivgut bei Temperaturen zwischen 16 und 20 Grad verwahrt wird. Im März 2009 soll der Neubau fertig, die Sanierung der Altbauten bis 2011 geschafft sein. Den Neubau hat das Archiv Ernst Posner gewidmet, der als Archivar des Preußischen Geheimen Staatsarchivs im „Dritten Reich“ als „jüdisch versippt“ galt und deshalb für kurze Zeit ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert worden war. Posner emigrierte in die USA und baute dort das Nationalarchiv auf.

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