Berlin : Ein Preis für den Jünta

Clärchens Garderobier wird geehrt

Foto: Christian Hahn Foto: Christian Hahn
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Ins Theater geht er nicht. Nee, sagt Günther Schmidtke. „Ick arbeete bei Clärchen – det is jenug Theater.“ Aber Musik, die liebt er. Vor allem Klassik. Beethoven, Vivaldi, Mozart und AC/DC, Lady Gaga. „Da is Betrieb drinne.“ Und überhaupt ist jetzt Schluss mit dem Siezen. „Ick bin Jünta oder Keule.“ 76 Jahre alt, in der Mark geboren, seit 1937 wohnhaft in Berlin-Mitte, Hobbyangler, Schnauzerträger, seit über 40 Jahren Garderobier in Clärchens Ballhaus, Berlins ältestem Tanzlokal, und frischgebackener Preisträger des neu erfundenen Theaterpreises „Berliner East End“. Wie er dazu kommt? „Weeß ick nich’, so’n Idioten wie mich gibt’s wohl nur eenmal auf der Welt.“ Vom East End jedenfalls hat er nie gehört, bis ihm Thomas Hermanns vom Quatsch Comedy Club gestern Abend in der Bar Tausend am Schiffbauerdamm den Ehrenpreis auf einer Theaterparty überreichte.

Doch, da war ja mal was: Im April letzten Jahres haben Friedrichstadtpalast, Admiralspalast, Quatsch Comedy Club, Chamäleon und Distel in Mitte „Deutschlands ersten Theaterdistrikt“ ausgerufen – das Berliner East End. Abgesehen von einer Internetseite und gemeinsamen Plakaten, auf denen der Admiralspalast schon bald nicht mehr auftauchte, kam aber nichts Dolles nach – weder der angedachte Theaterball noch Sammeltickets oder eine gemeinsame Verkaufsbude. Der East-EndEhrenpreis soll die Interessengemeinschaft jetzt offenbar wieder sichtbarer machen, zumindest einmal jährlich. Bestimmt ist er für die Leute hinter den Kulissen, nicht für die Bühnenprominenz. Und der sogar in Übersee bekannte Garderobier, der seine ganze Familie im Clärchen untergebracht hat, ist eine kleine Größe des Amüsierviertels. Bis zum 100. Geburtstag des Lokals 2013 macht er auf jeden Fall weiter, da kennt der bekennende Preuße nix. „Nich’ über jeden Scheiß jammern, sondern sauber arbeiten – denn klappt det schon.“ gba

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