Berlin : Ein Ring für den bunten Vogel

Ilja Richter erhielt Theater-Auszeichnung

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Schon gestern wollte sich Ilja Richter wieder von der Ehrung trennen, die ihm erst am Montagabend im Theater am Kurfürstendamm zuteil wurde – vom Curt-Goetz-Ring. Einem Banksafe will er ihn nun anvertrauen, sagte der Schauspieler. Umwerfend schön ist das in dickes Gold eingebettete diamantene Gefunkel nicht, mit dem seit 1985 alle fünf Jahre Künstler geehrt werden, die sich besondere Verdienste um die Komik auf deutschen Bühnen erwarben. Valerie von Martens – Witwe und große Liebe des Autors, Schauspielers und Regisseurs Curt Goetz (1888–1960) – hatte ihren Brillantring nach dem Tode ihres Mannes umarbeiten lassen. 1985 wurde das Stück erstmals als Curt-Goetz-Ring an Carl-Heinz Schroth verliehen, später an Wolfgang Spier und Nicole Heesters.

Sie war es auch, die sich am Montag von dieser Auszeichnung trennte, deren neuen Träger der alte nach fünf Jahren bestimmen muss. Dass sie den Ring vor fünf Jahren zu Recht erhielt, bewies die Schauspielerin am Abend. Witzig plauderte sie vor dem Publikum über ihre Zeit mit dem Ring, den sie spätestens dann einem Banksafe anvertraute, als ihn die Putzfrau beinahe in den Müll entsorgte. Die Besitzerin hatte den Ring in einer Plastiktüte verwahrt – zur Tarnung vor Einbrechern. Das Publikum, das sich hauptsächlich aus Kollegen zusammensetzte – von Chariklia Baxevanos über Monika Hansen, Otto Sander, Barbara Schöne bis zu Theater- und Fernsehmachern wie Bernd Wilms, Andreas Gergen und Wolfgang Rademann und Theaterautoren wie Horst Pillau –, applaudierte kräftig, als die Ex-Ringträgerin jene geißelte, die Kultur vernichten wollten. „Traurig und erbärmlich“ fand es Nicole Heesters, dass Theater zu Gunsten von Einkaufscentern und Coffeeshops zerstört werden sollen. Sie spielte damit auf die Pläne für das Ku’damm-Karree an, in dem sich die beiden Wölffer-Bühnen – Theater und Komödie – befinden. Für den neuen Ringträger fand die Schauspielerin viele lobende Worte: Ilja Richter sei ein bunter Vogel, manchmal sogar ein Paradiesvogel, aber nie in Gefahr, als Suppenhuhn zu enden. Die Gefahr läuft auch Vor-Vor-Ringträger Spier nicht, der sich am Abend als Verwandter von Curt Goetz outete – und das nicht nur im Geiste: „Sein Großvater und meine Mutter waren Bruder und Schwester“, kiekste der Schauspieler und wünschte wie alle, dass die Curt-Goetz-Ring-Gemeinde sich in fünf Jahren dort wiedertreffen kann, wo er aktuell als „Sugar Daddy“ auf der Bühne steht – am Boulevard. hema

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