Berlin : Ein Schloss – gebaut auf Sand und gutem Willen

Wie realistisch sind die Kosten für das Stadtschloss? Experten bestätigen Kritik an Machbarkeitsstudie von Bundesbauminister Stolpe

Marc Neller

Wichtige Prüfungen wurden nicht durchgeführt, deshalb sind erhebliche Kosten nicht berücksichtigt: Mit diesem harschen Urteil haben Fachleute dem Tagesspiegel im Kern bestätigt, was eine Berliner Architektengruppe an der Machbarkeitsstudie für den Wiederaufbau des Schlosses kritisiert hatte. Wie berichtet, hatte die Initiative Urban Catalyst vor allem Bundesbauminister Manfred Stolpe (SPD) vorgeworfen, einige heikle Punkte der Studie verschwiegen zu haben. Zentrale Kritik: Es sei „unseriös“, über Finanzierungsmodelle zu sprechen, wenn ein solch heikler Baugrund nicht untersucht wurde und Kostenrisiken daher nicht in die Kalkulation einbezogen seien.

„Von einem derart heiklen Baugrund wie dem Schlossplatz weiß man, dass er ganz erhebliche finanzielle Risiken birgt – weil man ins Wasser baut und weil dort eine U-Bahn entstehen soll“, sagt jemand mit gutem Draht zur Senatsbauverwaltung. „Das kann die Kosten derart in die Höhe treiben, dass man selbst für ein Vorgutachten den Baugrund untersucht haben sollte.“ Man brauche wenigstens eine ungefähre Vorstellung, welche Kosten entstehen könnten, um glaubwürdig zu kalkulieren. Insgesamt geht Stolpe von Baukosten von rund 670 Millionen Euro aus.Ein Sprecher Stolpes bezeichnete die Kritik an der Studie gestern als „groben Unfug“. Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) verteidigte das Gutachten: „Es weist darauf hin, dass es bauliche Schwierigkeiten geben kann“, sagte ihre Sprecherin Manuela Damianakis. Zudem sei die Machbarkeitsstudie noch kein endgültiger Architektenentwurf. „Wenn ich eine Kostenplanung mache, muss ich noch nicht genau wissen, was an dem Ort los ist“, sagte Damianakis.

Weiterer Streitpunkt ist der Bau der U5: Zur geplanten Verlängerung der U-Bahnlinie, die unter dem Schlossplatzareal verlaufen soll, heißt es in dem Gutachten: „Leider war es in der Kürze der Zeit nicht möglich, hierzu nähere Auskünfte zu erhalten.“ Eine Aussage, über die man sich bei der BVG wundert: „Bei uns gab es keine Anfrage“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Und hätte es eine gegeben, hätte man erfahren können, dass wir vor drei Monaten der Stadtentwicklungsverwaltung eine eigene Studie vorgelegt haben, auf die man sich hätte beziehen können.“ Auch sie sagt: Im Baurecht gelte üblicherweise der Grundsatz, „dass man als Bauherr seinen Baugrund kennen muss“. Dass der Tunnelbau den Neubau des Stadtschlosses nennenswert beeinträchtigt, glaubt Reetz allerdings nicht. Auch dann nicht, wenn gleichzeitig gebaut wird. „Man müsste es nur optimal planen“, sagt Reetz. Am Postdamer Platz habe es auch geklappt, Großbaustellen mit schwierigen Bedingungen zu koordinieren. Nach eigenen Angaben könnte die BVG die U-Bahn bis 2010 gebaut haben, falls der Senat grünes Licht gibt.

Bis Mitte 2007 soll der Palast der Republik abgerissen sein. Dass sofort danach der Bau des Schlosses beginnt, glauben selbst Schlossbefürworter nicht. Laut Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) könne es 2008 oder 2009 werden.

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