• Ein Schlot wird zur Straße: Degewo ließ für ihr Bauprojekt in Hellersdorf einen Schornstein sprengen

Berlin : Ein Schlot wird zur Straße: Degewo ließ für ihr Bauprojekt in Hellersdorf einen Schornstein sprengen

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Punkt 11 Uhr fiel er um: Der 60 Meter hohe Schornstein auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei an der Landsberger Straße. Mit Hilfe von 3,5 Kilogramm Sprengstoff hatte ihn Wolfgang Gießler zu Boden gebracht. Wie eine schmale Tunnelröhre, deren Eingang durch unzählige Eisenstangen versperrt ist, lag der Koloss auf der Erde.

Das Kuriose an diesem Schornstein ist wohl, dass er die vergangenen zwölf Jahreauf dem Mahlsdorfer Grundstück ungenutzt in den Himmel ragte. Er gehörte zu einem Heizhauskomplex, der nie in Betrieb ging. Jetzt entsteht auf dem 27 Hektar großen Areal, nahe zur Brandenburger Landesgrenze, in den nächsten acht bis zehn Jahren ein neues Wohngebiet. Die Degewo will dort zusammen mit der SÜBA-Hausbau rund 900 Einfamilienhäuser errichten. "Für den Unterbau der Straßen verwenden wir unter anderem den Beton des gesprengten Schornsteins und die Reste der abgetragenen Baracken", erklärte gestern Klaus Döbler, Prokurist der Degewo.

Vor einem halben Jahr rückten in Mahlsdorf Nord bereits die Bagger an. Schmutzwasserdruck- und Trinkwasserleitungen wurden unter die Erde gebracht, mit dem Straßenbau begonnen und ein rund 7000 Quadratmeter großes Regenrückhaltebecken ausgehoben. In dessen "Vorgänger", einem etwa fünf Mal kleineren Becken, hatten sich im Laufe der Jahre rund 500 Frösche und 3000 Kaulquappen angesammelt, die in den letzten Monaten "behutsam in die Wuhle umgesetzt wurden", berichtete Döbler.

Die ersten fünf Musterhäuser sollen voraussichtlich noch Ende dieses Jahres stehen. In einem ersten Bauabschnitt will die Degewo 2001 zunächst 44 Häuser in Massivbauweise errichten. Die Wohnflächen betragen zwischen 100 und 130 Quadratmeter, die Preise liegen inklusive Grundstück bei 335 000 bis 450 000 Mark. "Mahlsdorfer Gärten" wird die neue Siedlung heißen, in der auch eine Schule, eine Kita, Sportplätze, Einkaufseinrichtungen und ein Park entstehen. Es ist übrigens das größte Einfamilienhaus-Bauvorhaben im Bezirk.

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