Berlin : Ein tödlicher Unfall und keine Spuren

Ein unbekannter Mann starb Samstagnacht auf einer Straße in Reinickendorf. Die Polizei sucht Zeugen

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So schwer wie bei diesem Verkehrsunfall hat es die Polizei selten. Mitten in der Nacht wird ein Mann in Reinickendorf angefahren und getötet, Zeugen gibt es keine. Der Verursacher flüchtet von der Kreuzung Oranienburger Ecke Wittenauer Straße. Um 2.50 Uhr wird das Opfer mit schwersten Kopfverletzungen von einem Passanten auf der Fahrbahn gefunden, unklar bleibt, wann der Unfall war. Der heftige Dauerregen nach Mitternacht hat alle Spuren weggeschwemmt. Der Unfalldienst der Polizei, der bei allen tödlichen und sehr schweren Unfällen ausrückt, findet nichts. Keine Scherbe, keinen Splitter. Nicht in der Nacht, auch nicht am Sonnabend tagsüber.

Theoretisch könne es auch ein Verbrechen sein, sagen Polizisten. Doch bisher wissen sie nicht einmal den Namen des Toten, er hatte keine Papiere dabei. Am Sonnabend veröffentlichte die Polizei Angaben zur Kleidung: blaue Arbeitsjacke der Firma Uvex, gelbes Hemd mit schwarzen Punkten, graue Stoffhose, Sandalen, schwarzer Filzhut. Doch die Telefonnummer, die die Polizei genannt hatte und die in allen Sonntagszeitungen stand, war am Sonntag nicht besetzt. Hinweise gingen gestern deshalb nicht ein. Heute soll die Nummer 4664 181 800 besetzt sein für Hinweise zum Toten und zum Unfallhergang, hieß es gestern im Präsidium. Der Unbekannte hatte etwas Geld im Tabaksbeutel dabei, ein Schlüsselbund und eine Brille im Etui. Er soll etwa 35 Jahre sein, er war unrasiert, hatte einen Oberlippenbart, nach Alkohol roch er nicht.

Noch weit schwerer als die Identifizierung wird die Ermittlung des Unfallflüchtigen. Dazu benötigt die Polizei Spuren, vom Lack oder Splitter. Beim Bundeskriminalamt (BKA) sind 42 000 Glasmuster archiviert – seit 1988 werden dort Scheiben, Blinker und Spiegel gesammelt, und zwar von jedem Autotyp in Europa. Etwa jede zweite dieser Abfragen ist erfolgreich. Noch viel besser sind Lackvergleiche. Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit werden Hersteller, Baujahr, Typ und Fabrikationsort ermittelt. In der BKA-Datei sind 38000 Muster gespeichert – ein roter Lack eines in Spanien gebauten VW-Polos, Baujahr 1995, hat ein ganz anderes Rot als ein Mercedes 280, Baujahr 1986. Mit dem Ergebnis wird der Computer im Kraftfahrtbundesamt gefüttert - und der druckt eine Liste aller in Berlin zugelassenen Wagen aus. Die Besitzer bekommen dann Besuch von der Polizei.

Doch die Beamten haben bislang nichts, was sie zum BKA nach Wiesbaden schicken können. Man hofft jetzt, noch winzige Farbreste an der Kleidung des Toten zu finden. Bei 90 Prozent liege die Aufklärungsquote bei tödlichen Unfallfluchten, heißt es seit Jahren bei der Polizei. Doch es wird schwer. Ha

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