Berlin : Eine Woche nach dem Suizidversuch starb der Junge an einem Blutgerinnsel

CS / kf

Der zehnjährige Junge, der sich am vergangenen Donnerstag in einem Kinderheim in Lichterfelde selbst stranguliert hat, ist gestern im Universitätsklinikum Benjamin Franklin an den Folgen seines Suizidversuches gestorben. Wie berichtet hatten Betreuer den Jungen am späten Nachmittag leblos in seinem Zimmer gefunden. Eine Schlinge um den Hals zeugte vom Versuch, sich zu erhängen. Das Kind wohnte seit mehr als einem Jahr im Heim und hatte am Tag des Selbsttötungsversuches Geburtstag. Es habe vorher keine Hinweise auf eine Gefährdung gegeben", erklärte das Landesjugendamt zu dem tragischen Vorfall.

Nach Angaben des Klinikums starb der Junge an einem Blutgerinnsel im Kopf, das sich infolge des Sauerstoffentzuges bildete. Noch im Heim hatte ein Notarzt das Kind reanimiert und es danach auf die Intensivstation der Universitätsklinik begleitet, wo die Ärzte vergeblich um sein Leben rangen.

Nach Angaben der Berliner Beratungsstelle "Neuhland", die sich um Kinder und Jugendliche mit Suizidgedanken kümmert, sind Selbsttötungsversuche bei Jungen und Mädchen unter 14 Jahren äußerst selten. Kinder sehnten sich nicht wirklich nach dem Tod, sagen die Psychologen, sie wollten nur nicht so weiterleben.

In Deutschland haben sich im Jahr 1996 insgesamt 12 225 Menschen das Leben genommen, davon waren drei unter zehn Jahren. 46 unter 15 Jahren und 276 unter zwanzig Jahren. Nach den Erfahrungen unternehmen Mädchen mehr Selbsttötungsversuche als Jungen, häufig vollenden sie den Suizid aber nicht. Männliche Jugendliche wählen dagegen Suizidmethoden, bei denen jede Rettung zu spät kommt. Dies zeigt auch die Statistik: In Berlin haben sich 1997 insgesamt 27 Kinder und Jugendliche unter 25 Jahren das Leben genommen, davon waren 20 männlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben