Berlin : Einheitsschule auf Probe: Ein Testfall für Rot-Rot

PDS will ab 2011 nur noch eine Schulform und die Pilotphase sofort beginnen. SPD für Fusion von Grund- und Oberschule, aber gegen einen festen Zeitplan

Susanne Vieth-Entus

Der Regierende Bürgermeister will zwar keinen „Kulturkampf“ gegen die Gymnasien, aber sein alter und gewünschter neuer Koalitionspartner PDS weiß schon genau, wann es vorbei ist mit Berlins beliebtester Schulform. „Ab dem Schuljahr 2011/2012 gibt es nur noch Gemeinschaftsschulen“, lautet der Zeitplan, den PDS-Schulexpertin Sieglinde Schaub gestern bekräftigte.

Falls die PDS nach der Wahl wieder mitregiert, will sie schleunigst das Schulgesetz ändern, damit sich in jedem Bezirk Pilotschulen in Richtung „Gemeinschaftsschule“ auf den Weg machen können. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. So könnten Grundschulen mit benachbarten Oberschulen fusionieren, so dass ihre Schüler nach der sechsten Klasse zusammenblieben. Eine andere Variante wäre, dass Gymnasien oder Realschulen ab sofort alle Schulabschlüsse anböten. Es gäbe für sie dann kein Probehalbjahr mehr, nach dem sie schwache Schüler wegschicken könnten.

Diese Pilotphase ist für die PDS im Falle einer Regierungsbeteiligung nicht verhandelbar. „Die Pilotphase ist eine feste Größe“, sag gestern Siglinde Schaub. Sollte sich die SPD dem widersetzen, werde es „einen scharfen Dissens“ geben. Auch PDS Spitzenkandidat Harald Wolf macht sich auf „harte Auseinandersetzungen“ mit der SPD gefasst.

Die SPD selbst versteht die ganze Aufregung nicht. „Wir sind doch auch dafür, dass Schulen freiwillig kooperieren“, sagte gestern Felicitas Tesch, die bildungspolitische Sprecherin der SPD- Fraktion. Allerdings müsse man dafür nicht das Schulgesetz ändern. Und auf einen festen Zeitpunkt für die verbindliche Einführung der „Schule für alle“ will sich Tesch schon gar nicht festlegen.

Bleibt die Frage, wie PDS und SPD denn überhaupt Schulen dafür gewinnen wollen, an besagter Pilotphase teilzunehmen. Weder Tesch noch Schaub können kooperationswillige Schulen nennen, obwohl entsprechende Modellversuche – zumindest nach Schaubs Willen – schon in diesem Schuljahr angeschoben werden sollen. Völlig offen ist, zu welchen Mitteln SPD und PDS im Falle eines Wahlsiegs greifen werden, um Schulen für eine „freiwillige Teilnahme“ an der Pilotphase zu gewinnen. Laut ihren Parteitagsbeschlüssen wollen beide die Einheitsschule.

Wenn man in Schulen herumfragt, warum sie zurzeit nicht „Gemeinschaftsschule“ werden wollen, lautet die Antwort meist: Erstmal müssten alle Reformen umgesetzt werden, die bereits auf der Tagesordnung sind.

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