Berlin : Eins, zwei, drei über die Mauer

Der Siegeszug der Cola im Osten

Maurice Shahd

Vor der Berliner Mauer musste selbst die erfolgreichste Marke der Welt Halt machen. In der legendären Komödie von Billy Wilder „Eins, Zwei, Drei“ versuchte der West-Berliner Coca-Cola-Filialleiter C.R. McNamara vergeblich, den Markt in der sowjetisch besetzten Zone zu erobern. Im Sozialismus war es ausgerechnet der Erzkonkurrent Pepsi, der die DDR-Bürger – zumindest zeitweise – mit der braunen Brause versorgen durfte. Die Versöhnung wurde Jahre später ausgerechnet von einem Sozialisten erreicht: von Gregor Gysi. Bei seinem Intermezzo als Wirtschaftssenator reiste der PDS-Politiker in die USA und warb in der Coca-Cola-Zentrale in Atlanta darum, den Deutschland-Sitz von Essen nach Berlin zu verlegen.

Seit Juli 2003 befindet sich der nun an der Friedrichstraße in Mitte, Tür an Tür mit der Coca Cola Erfrischungsgetränke AG. Die CCE AG ist der mit Abstand größte Konzessionär des Getränkekonzerns in Deutschland. Seit jeher übernehmen bei Coca Cola, ähnlich dem Franchise-System bei McDonalds, selbstständige Unternehmer die Abfüllung der geschwungenen Flaschen. Die Zentrale ist für Marketing und Vertrieb der inzwischen 40 Getränke von Coca Cola zuständig. Insgesamt beschäftigt Coca Cola in der Friedrichstraße und dem Abfüllwerk in Hohenschönhausen fast 1000 Mitarbeiter.

Seit 75 Jahren produziert Coca Cola – mit geschätzten 68 Milliarden Dollar die wertvollste Marke der Welt – in Deutschland. Die Geschichte des Erfrischungsgetränks geht bis auf das Jahr 1886 zurück, als der Apotheker John S. Pemberton ein Tonikum gegen Müdigkeit und Kopfschmerzen entwickelte. 1929 schwappte die Cola-Welle nach Deutschland. Erst während des Krieges wurde die Produktion von Coca Cola wegen Rohstoffmangels eingestellt. Während sich Coca Cola zum Kultgetränk der Wirtschaftswunderjahre entwickelte, mussten die Ostdeutschen noch bis zum Mauerfall warten. 1990 investierte Coca-Cola 1,4 Milliarden D-Mark in den neuen Ländern.

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