Berlin : Eisig

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Bernd Matthies über Strieders harten Umgang mit friedfertigen Karnevalisten

Es ist wahr: Die Karnevalisten leiden unter Berlin. Die Herzenskälte des protestantischen Nordostens pfeift ihnen hier, falls man das so sagen kann, eisig um die Ohren, sie müssen zuweilen mit Musik aus Kopfhörern feiern und leibhaftige Frauen in den Elferrat aufnehmen, weil es an geeigneten Männern fehlt. Und nun versagt ihnen Senator Strieder auch noch die Erlaubnis, mit Kamellen und Sträußchen am 2.März durchs Brandenburger Tor zu fahren die konsequente Haltung eines Senators, der mit rheinischem Frohsinn ungefähr so viel am Hut hat wie Dschingis Khan mit dem Muttertag.

Und das ist ja auch richtig so, wenn auch nur aus sehr prinzipiellen Gründen. Denn die Sperrung des Brandenburger Tors ist ja eine der wenigen Senatsentscheidungen der letzten Zeit, die nichts kostet und von keiner anderen irdischen Instanz mehr aufgehoben werden kann. Würde Strieder jetzt eine Ausnahme machen, dann wüssten wir: Das mit dem Tempodrom, dem neuen Flughafen und den verschiedenen Gedenkstätten geht auch ewig so weiter. Pech, Karnevalisten! Ihr müsst leiden, damit Berlin wenigstens einmal konsequent sein kann. Tärää!

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