Berlin : Elektrobeat im Pferdestall

Die Macher des Icon eröffnen am heutigen Sonnabend einen neuen Club in Kreuzberg: „Gretchen“ Früher war dort das Erste Gardedragoner-Regiment stationiert – nun tanzen dort bis zu 1000 Menschen

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Hinein in den Stall. Ab 23.30 Uhr laden Pamela Schobeß und Lars Döring in ihren neuen Club. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Hinein in den Stall. Ab 23.30 Uhr laden Pamela Schobeß und Lars Döring in ihren neuen Club. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Noch vor einem Jahr kämpften Pamela Schobeß und Lars Döring ums Überleben. Den beiden Clubbetreibern sollte die Konzession für das „Icon“ in der Cantianstraße in Prenzlauer Berg entzogen werden, weil sich Anwohner über die Menschenmengen vor dem Eingang und den damit verbundenen Lärm beschwert hatten. Schobeß und Döring suchten daraufhin einen Ausweichstandort. Fündig wurden sie in der Obentrautstraße in Kreuzberg.

Was sie nicht ahnen konnten: dass sich Stammgäste und Bezirkspolitiker so sehr gegen die Schließung des Icons einsetzen würden, dass das zuständige Stadtentwicklungsamt Pankow seine Entscheidung zum Entzug der Konzession revidierte. Der Club war gerettet. Gefeiert wird in den Kreuzberger Räumen am heutigen Samstagabend trotzdem. Der Grund? Schobeß und Döring eröffnen einfach einen zweiten Club, das „Gretchen“, benannt nach dem gleichnamigen Thriller der amerikanischen Autorin Chelsea Cain.

Dass die beiden Partymacher nun einen zusätzlichen Club betreiben, liegt daran, dass das Icon für viele Veranstaltungen zu klein geworden ist. Insbesondere bei Konzerten mussten Schobeß und Döring ins Lido oder Astra ausweichen. Warum also nicht gleich einen zusätzlichen Laden aufmachen, in dem man auch mal experimentelle Sachen ohne finanziellen Druck ausprobieren kann. Im Gretchen ist das nun möglich, es verfügt über zwei Säle – einen größeren mit Konzertbühne und einen kleineren für Partyabende, nächsten Sommer soll zudem eine Outdoor-Fläche im Hinterhof eröffnet werden. Insgesamt bietet der Club knapp 1000 Besuchern Platz.

Dort, wo künftig getanzt und gefeiert werden soll, befanden sich einst die preußischen Stallungen des Ersten Gardedragoner-Regiments, erbaut wurden sie im Jahr 1854. Später war hier eine Autowerkstatt ansässig, vor knapp zehn Jahren gastierte die Veranstaltungsreihe „Rock it“ in den Räumen. Gut drei Monate waren Pamela Schobeß und Lars Döring mit dem Ausbau beschäftigt. Von den Säulen, die das Kreuzgewölbe stützen, ließen sie die nachträglich angebrachte Ummantelung entfernen, zum Vorschein sei eine beeindruckende Ornamentik gekommen. Bei der Umgestaltung der Säle halfen verschiedene Designer, unter anderem der Kulissenbauer Stephan Schilgen, der einst den „Kurvenstar“ am Hackeschen Markt betrieb. Wie viel sie ins Gretchen investiert haben, wollen die beiden 37-Jährigen nicht verraten. „Das wäre sicher alles auch preiswerter gegangen, wenn man nicht so einen Anspruch gehabt hätte“, sagt Pamela Schobeß. Zeigen wollen sie den Club vor der großen Eröffnungsparty aber nicht. Für den Überraschungseffekt.

Ärger mit Anwohnern wie beim Icon in Prenzlauer Berg ist beim Gretchen wohl nicht zu befürchten – es befindet sich nicht mitten in einem Wohngebiet sondern auf einem Gewerbegelände. Bislang ist die Gegend noch kein Ausgeh-Viertel, aber Lars Döring glaubt, das werde sich bald ändern. Erste Galerien hätten sich schon angesiedelt, zweimal im Jahr fänden nicht weit von hier die Modemessen „Bread & Butter“ und „Premium“ statt. Zudem sei die Verkehrsanbindung optimal, in unmittelbarer Nähe befinden sich die U-Bahnhöfe Mehringdamm und Hallesches Tor.

Geöffnet ist das Gretchen vorerst freitags und samstags, mittelfristig sollen es vier Abende die Woche werden. Im Vergleich zum Icon wird das Programm noch breiter gefächert sein, von elektronischer Musik bis hin zu Unplugged-Konzerten. Nach der Eröffnung des Gretchens bereiten sich Lars Döring und Pamela Schobeß auf ein weiteren Höhepunkt vor: Im Dezember feiert das Icon seinen 15. Geburtstag, aus diesem Anlass wird der britische Musiker Mike Skinner eines seiner raren DJ-Sets spielen. Dem Jubiläum blicken die Partymacher mit gemischten Gefühlen entgegen. Trotz der Rettung im vergangenen Jahr habe sich an der Situation nicht viel geändert, sagt Pamela Schobeß. „Da wohnen immer noch Leute, die sich immer noch wegen der Gäste vor der Tür beschweren und die Polizei rufen.“

Obentrautstr. 19–21, Kreuzberg, Beginn um 23.30 Uhr Eintritt 15 Euro. Weitere Informationen unter www.gretchen-club.de

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