• Elektrohändler Tilo Stöhr hat aufgegeben Auch das Geschäft am Kaiserdamm ist jetzt zu

Berlin : Elektrohändler Tilo Stöhr hat aufgegeben Auch das Geschäft am Kaiserdamm ist jetzt zu

Klaus Kurpjuweit

Tilo Stöhr bietet nichts mehr. Gestern, um 16 Uhr, schlossen die Angestellten des Elektrogeschäfts am Kaiserdamm 113 in Charlottenburg zum letzten Mal die Türen in dem ehemaligen Wohngebäude, das zu Verkaufsräumen über mehrere Etagen umfunktioniert worden war. Das Familienunternehmen Tilo Stöhr hat endgültig aufgegeben. Der Konkurrenzkampf mit den modernen Elektromarktketten ist verloren gegangen.

Überraschend hatte Stöhr, einer der letzten Familienbetriebe der Branche, Anfang Juli Insolvenz angemeldet – nach eigenen Angaben wegen Schulden in Höhe von rund 96 000 Euro. Damals war der Insolvenzverwalter zuversichtlich, das Unternehmen retten zu können. Doch vor wenigen Wochen erfuhren die etwa 30 Mitarbeiter, dass das Ende nicht mehr aufzuhalten sei. Letzter Verkaufstag war der 30. August. Die Filiale am Brunsbütteler Damm in Spandau war schon vorher geschlossen worden. Alle Geräte waren, ohne feilschen zu müssen, zum halben Preis zu haben. Das Handeln zwischen Kunden und Verkäufern war lange Jahre das Erfolgsmodell von Stöhr. Und die Werbesprüche, von denen sich Firmengründer Tilo Stöhr über 700 ausgedacht hatte, etwa „Tilo Stöhr bietet mehr!“

Dass jetzt nichts mehr geht, tue sehr weh, sagte gestern Verkäufer Emmanuel Yaw Osei. Seit 27 Jahren hat der aus Ghana stammende HiFi-Spezialist bei Stöhr gearbeitet; er gehöre fast zum Inventar, sagte er wehmütig. Und er kannte viele Kunden. Oft hätten sich auch Kinder von Kunden wieder von ihm beraten lassen. Auch gestern kamen Stammkunden, um sich zu verabschieden und vielleicht noch ein Schnäppchen zu machen.

Andere Kunden erfuhren erst im Geschäft, dass es gestern den letzten Verkaufstag zu halben Preisen gab. Schnell wurden dann Verwandte oder Bekannte informiert, dass es bei Tilo Stöhr letztmalig etwas zu holen gab. Geworben hatte das Unternehmen damit nicht.

Die Mitarbeiter müssen noch einmal kommen – am Montag erhalten sie ihre Entlassungspapiere. Wie die meisten seiner Kollegen hat auch Osei noch keinen neuen Arbeitsplatz. Klaus Kurpjuweit

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