Berlin : Elfen, Trolle und ein Präsident

2500 Gäste tanzten bis zum frühen Morgen durch die „Zauberwelten“ im Hotel Intercontinental

Nana Heymann

Wie soll man das nun verstehen? Da wird seit einiger Zeit das Comeback des Gesellschaftstanzes ausgerufen, und dann zieren sich die Menschen doch. Ausgerechnet beim Bundespresseball, zu dem gestern Abend im Hotel Intercontinental gut 2500 Gäste erwartet wurden. „Ich bin ein schlechter Tänzer, aber das nimmt meine Frau sehr souverän zur Kenntnis“, sagte Finanzminister Peer Steinbrück vor Beginn der Veranstaltung und entschuldigte damit, dass er seine Gattin Gertrud nicht zum Tanz bitten würde. Sie nahm das gelassen hin: „Mit ihm kann man sich auch anders amüsieren. Wenigstens schonen wir unsere Schuhe.“

Als Tanzmuffel outete sich auch FDP-Chef Guido Westerwelle. Allerdings nur, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht gekommen war. Mit ihr hätte er gerne getanzt, „aber um dieses Vergnügen bin ich nun gebracht worden“. Also wollte er mit seinem Lebensgefährten Michael Mronz lediglich über die Tanzfläche „hopsen“. Das Motto des Abends – „Zauberwelten“ – gefiel ihm jedoch ausgesprochen gut. „Ich finde das sehr gelungen. Wir haben eine Fee im Kanzleramt und lauter Elfen und Trolle in der Opposition.“

Verzaubert war Berlins CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger schon vor Beginn des Balls. Von seiner Lebensgefährtin Sibylle Hällmayr. Sie funkelte in einem schwarzen bodenlangen Abendkleid mit Pailletten. Bei diesem Anblick blieb Pflüger nichts anderes übrig, als sie nach dem Vier-Gang-Menü von Sternekoch Thomas Kammeier aufs Parkett zu führen. „Er ist ein sehr guter Tänzer“, attestierte Hällmayr bereits vorab. Von der angespannten Stimmung im Abgeordnetenhaus ließen sich die beiden den Abend nicht verderben. Und dass Klaus Wowereit seine Teilnahme an dem Ball in diesem Jahr abgesagt hat? „Das ist sein gutes Recht“, so Pflüger.

Für Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick, die in Begleitung ihres Freundes Jürgen B. Harder kam und ihren Babybauch unter einer Fellstola versteckte, war der Bundespresseball ein „neues Pflaster“. Eine Premiere stand auch für Niedersachsen Ministerpräsidenten Christian Wulff an. Er kam erstmals mit seiner neuen Lebensgefährtin Bettina Körner. Grünen-Chefin Claudia Roth freute sich indes: auf die Show von Jazz-Star Jamie Cullum. „Er ist einer der größten Musiker, die es zur Zeit gibt. Ich hoffe, dass es nicht so spießig zugeht, wenn er auftritt.“

Spießig? Soll das Tanzen doch schon längst nicht mehr sein. Und deshalb folgte Bundespräsident Horst Köhler der alten Tradition und eröffnete mit einem Wiener Walzer den Bundespresseball kurz nach neun mit Ursula Gößling, der Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz. Werner Gößling selbst führte Eva Köhler über das Parkett.

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