Eliteuniversität : Die Zukunft der Sieger und Verlierer

Beim Treffen der Köpfe des Universitäts- und Bildungswesens in Berlin hat eine heftige Debatte über die Folgen des Elitewettbewerbs eingesetzt. Die Sieger-Unis dürften sich nicht auf ihrem Erfolg ausruhen und müssten anderen auch Chancen zum Aufholen einräumen.

Fabian Reinbold
Treffpunkt TSP Foto: Mike Wolff
Die Experten unter sich: Im Intercontinental wurde heftig über die Folgen des Elitewettbewerbs diskutiert. -Foto: Mike Wolff

BerlinDie Elite-Universitäten sind gekürt – wie geht es nun weiter für die Sieger und Verlierer? Darüber wurde gestern Abend beim "Treffpunkt Tagesspiegel“ im Berliner Hotel Intercontinental diskutiert. "Sind die richtigen neun Universitäten ausgewählt worden?“, wollte Moderator und Wissenschaftssenator a.D. George Turner gleich zu Beginn wissen.

Der Bamberger Soziologe Richard Münch, der als einer der markantesten Gegner des Elite-Wettbewerbs gilt, sparte nicht an scharfer Kritik: "Wenn das Verfahren nicht stimmt, kann das Ergebnis nicht stimmen.“ Die Exzellenzinitiative befördere Bildungs- und regionale Ungleichheit, durch die Nichtberücksichtigung der neuen Länder bei den Elite-Unis werde gar "Infrastruktur im Osten zerstört“.

Unis sollen sich den Wttbewerben nicht nur einmalig stellen

Widerspruch gab es dafür sowohl aus dem Publikum als auch vom Podium. Margret Wintermantel, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, entgegnete, dass man sich "von der Fiktion verabschieden muss, dass alle Hochschulen gleich sind.“ Die Exzellenzinitiative habe eine nie da gewesene Aktivität an den Hochschulen ausgelöst. Es dürfe jedoch nicht sein, dass Universitäten in einem einmaligen Wettbewerb für ewig hochgestuft würden.

Auch der Berliner Bildungssenator, Jürgen Zöllner (SPD), sprach sich für eine Fortsetzung des Wettbewerbs aus, bei dem "die Sieger sich anstrengen müssen, um dabei zu bleiben, und neue Unis die Chance haben, hinein zu kommen.“

Karin Lochte, die Vorsitzende der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrats, sagte, es gehe nun darum, "die ganze an Reihe an guten Ideen, die nicht an den neun Spitzenunis entstanden sind, ebenfalls zu fördern.“ Sie habe "auch in den neuen Ländern ein großes Potential“ ausgemacht.

Für Berlin sei der Elitewettbewerb eine höchst ambivalentes Ereignis, sagte Anja Kühne, verantwortliche Bildungs-Redakteurin des Tagesspiegels. "An der Freien Uni hat er Jubel ausgelöst, an der Humboldt-Universität wird nun Trauerarbeit betrieben.“

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