Emissionen : Landesbetriebe stecken Milliarden in den Klimaschutz

Der CO2-Ausstoß der öffentlichen Unternehmen ging in sechs Jahren um 36 Prozent zurück. Bis 2030 sollen die Emissionen halbiert werden.

Stefan Jacobs,Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Landesbeteiligungen Berlins, von den Bäderbetrieben über die Wohnungsbaugesellschaften bis zur Stadtreinigung, sind offenbar gut fürs Klima. Seit 2003 gingen die CO2-Emissionen der öffentlichen Unternehmen von 1,6 auf eine Million Tonnen pro Jahr zurück – also um 36 Prozent. Im gleichen Zeitraum verringerte sich der Bedarf an Wärmeenergie um 10,5 Prozent, der Stromverbrauch sank um 10,2 Prozent. Auch der landeseigene Fahrzeugpark wurde durch den Umstieg von benzin- auf erdgasbetriebene Autos deutlich klimafreundlicher.

Diese Erfolgsbilanz präsentierten am Mittwoch zwölf große öffentliche Unternehmen auf einer Veranstaltung in der Akademie der Wissenschaften. Es war der Auftakt für eine Initiative, die sich „Mehrwert Berlin“ nennt. „Wir wollen unsere Kompetenzen stärker in die weitere Entwicklung der Stadt einbringen“, kündigte die Chefin der Berliner Stadtreinigung, Vera Gäde-Butzlaff an. Dazu gehöre, neben der Stärkung des sozialen Zusammenhalts, der Bewältigung des demografischen Wandels und der Integration von Migranten auch der Klimaschutz. Von den 5,6 Milliarden Euro, die die Landesunternehmen zwischen 2003 und 2008 investiert haben, wurde ein erheblicher Teil für ökologisch sinnvolle Zwecke ausgegeben.

So haben die Wasserbetriebe einen Teil ihrer Anlagen modernisiert, die Qualität der Gewässer verbessert und kürzlich die größte Solaranlage der Stadt in Betrieb genommen. Die Wohnungsunternehmen haben Heizungsanlagen und die Warmwasseraufbereitung saniert, Fassaden, Dächer und Kellerdecken gedämmt, die Stadtreinigung hat neue Recyclinghöfe gebaut und betankt viele Müllwagen mit Erdgas, die BVG-Busse haben alle Dieselrußfilter, und in den Schwimmbädern wurde mit der energetischen Sanierung begonnen. 2008 konnten die Landesunternehmen ein gutes Drittel ihres Wärme- und Stromverbrauchs wieder in den städtischen Kreislauf zurückführen. Sie sind also in der Lage, einen Teil ihres Energiebedarfs selbst zu produzieren.

Von 2009 bis 2012 wollen die Landesbetriebe weitere 5,5 Milliarden Euro investieren. Ein großer Teil fließt wieder in den Klimaschutz. So entsteht am Großflughafen BBI ein Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung, die Wasserbetriebe planen einen Fotovoltaikpark, sie wollen Wärme aus Abwasser gewinnen und Biogas aus der Vergärung von Fetten. Die BSR wird die Müllverbrennungsanlage Ruhleben modernisieren, Wohnungsunternehmen und Bäderbetriebe stecken dreistellige Millionensummen in energiesparende Sanierungen, die BVG erneuert weiter ihre Flotte.

Obwohl andere Bundesländer beim Ausbau erneuerbarer Energien deutlich weiter sind, steht Berlin relativ gut da: Etwa sieben Tonnen CO2 verursacht der Durchschnittsberliner pro Jahr. Bundesweit liegt das Mittel bei zehn Tonnen. Der Berliner Vorteil resultiert zum einen aus der Struktur der Stadt, deren kompakte Bebauung sich effizienter heizen lässt als die meisten Einfamilienhäuser. Zum anderen wird in Berlin besonders wenig Auto gefahren – wegen relativ kurzer Wege, wegen des gut ausgebauten Nahverkehrs und der konkurrenzlos niedrigen Auto-Quote von etwa 320 Pkw pro 1000 Einwohner. In München sind es fast doppelt so viele.

Die Gesamtemission der Stadt liegt laut Statistischem Landesamt zurzeit bei gut 20 Millionen Tonnen. Während der Senat damit bereits sein Etappenziel – minus 25 Prozent gegenüber 1990 – erreicht sieht, verweisen Kritiker darauf, dass der industrielle Niedergang nach der Wende den Großteil dazu beigesteuert hat und die Berechnungsmethode verändert wurde. Laut dem klimapolitischen Arbeitsprogramm des Senats vom vergangenen Jahr soll die CO2-Emission bis 2020 um 40 Prozent sinken und bis 2030 halbiert werden. Bis 2050 halten Wissenschaftler 80 Prozent Rückgang für notwendig. Ob das gelingt, hängt stark von der künftigen Strom- und Wärmeversorgung der Stadt ab. Ein Senatskonzept dazu ist – mit mehrjähriger Verspätung – in Arbeit und soll im Herbst vorliegen.

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